Kreuzweg in Kevelaer

Leitgedanke für die Wallfahrtszeit 2021:

Einleitung

„Atme in uns, Heiliger Geist!“

 

Mit diesem Motto gehen wir nun den Kreuzweg, denn er zeigt uns, wie nötig wir Gottes guten Geist brauchen.

 

Gegen den Verrat setzt der Heilige Geist die Treue,

in der Einsamkeit verspricht er Geleit.

 

Gottes guter Geist ist Stütze in den Abstürzen unseres Lebens

und schenkt Trost in den traurigen und trostlosen Begegnungen.

 

Er ist die selbstlose Hilfe auf steinigem Weg

und bietet Freundschaft an, wenn Gegner uns bedrängen.

 

Der Heilige Geist weist den Weg in die Zukunft und schenkt die nötige Kraft.

 

Er ist die Stärke auf dem schwierigsten Pfad

und schenkt Geduld in den Schmähungen und Demütigungen.

 

Gottes guter Geist befreit von den Fesseln, die uns binden

und stärkt unser Vertrauen in Gottes unendliche Liebe, die den Tod bezwingt.

 

Frieden legt er in die Gräber derer, die auf Gott vertrauen

und haucht den Toten das Leben für Gottes Ewigkeit ein.

 

Atme in uns, Heiliger Geist, auf den auch der Herr Jesus gebaut und vertraut hat,

mit dessen Kraft Jesus seinen und unseren Kreuzweg gehen konnte.


1. Station Jesus wird zum Tod verurteilt.

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich

A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

  1. Station Jesus wird zum Tod verurteilt.

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich

A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort                      Lk 4,18-19

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

 

 

Betrachtung

Einst hatte Jesus mit dieser Rede Beifall geerntet, als er das Schriftwort Jesajas auf sich selbst hin deutete.

Es waren keine leeren Worte und kein großspuriges Gerede. Jesus hat ernstgemacht mit dem, was er sagte. Er hat Menschen eine neue Perspektive gegeben, ihnen Vergebung zugesagt und Krankheiten geheilt. Nichts von alldem geschah im Geheimen.

Und doch steht er vor Gericht, soll sich rechtfertigen und wird über seine Mission befragt. Seine Ankläger unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, denn dann müssten sie sich und ihre kleinkarierten Ansichten ändern, um Gottes Geist Raum zu geben.

Auch heute gibt es diese Kleinkariertheit und Engstirnigkeit, mit der Menschen nicht nur das eigene Leben eng machen, sondern ebenso das derer, mit denen sie zusammenleben und -arbeiten.

Gott hat dem Menschen seinen Lebensatem eingehaucht und ihm Sinne gegeben, die nicht egozentrisch ausgerichtet sind, sondern den anderen und die Umwelt wahrnehmen. Was wirklich wichtig, gut und richtig ist, hat Gott dem Menschen eingehaucht. Er muss sich nur dafür entscheiden.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

nimm die Scheuklappen von unseren Augen, damit wir nicht übersehen, wer neben uns lebt und damit wir andere Denkweisen, Angewohnheiten und Lebensarten nicht verurteilen oder kleinreden.

Heiliger Geist, verändere auch das Gesicht der Kirche, dass sie wieder ansehnlich und glaubwürdig wird. Mache unsere Herzen weit, damit alle darin Platz finden, auch jene, die wir ausgrenzen. Amen.

Liedvorschlag           Meine engen Grenzen                                                                  GL 437,1


2. Station Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

Schriftwort   Sach 8,8

Ich werde sie heimbringen und sie werden in Jerusalem wohnen. Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein, unwandelbar und treu.

 

 

Betrachtung

Als Jesus nach seiner Taufe in die Wüste gegangen war, um sich auf seine Mission vorzubereiten, versuchte der Teufel ihn zu verführen. Er widerstand jeder Versuchung und wählte statt eines bequemen Lebens einen Weg, auf dem er immer wieder auf Widerstand stieß.

Nun bringen die Soldaten das Kreuz – wieder eine Versuchung. Wird er alles verleugnen, seine Mission, sich selbst, den Vater und den Heiligen Geist? Jesus nimmt das Kreuz an und geht den Weg der Schmerzen und des Todes.

Immer stehen wir vor der Wahl, und jede Entscheidung für etwas, ist eine Entscheidung gegen etwas anderes.

Manche Menschen machen sich das Leben leicht, wählen stets den leichtesten Weg, den des geringsten Widerstands. Dabei drehen sie sich manchmal wie das Fähnchen im Wind und merken nicht, wie sie sich selbst, ihr Profil und ihr Gesicht verlieren.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass unser Ja ein Ja und unser Nein ein Nein ist, dass wir Menschen sind, die treu zu ihrem Wort stehen und auf die man zählen kann.

Hilf uns, Heiliger Geist in den wichtigen Entscheidungen unseres Lebens. Amen.

Liedvorschlag                       Veni Sancte Spiritus                                               GL 345

 


3. Station Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Spr 16,32

Besser ein Langmütiger als ein Kriegsheld, besser, wer sich selbst beherrscht, als wer Städte erobert.

Betrachtung

Die Juden warteten auf einen Retter, wahrscheinlich auf einen Kriegshelden, der das Land von den Römern befreien sollte. Jesus kam mit Langmut und Güte. Das beeindruckte sie drei Jahre lang, doch am Ende lehnten sie ihn ab und warfen ihn mit ihrem „Kreuzige ihn!“ in den Staub der Via Dolorosa.

Auch jetzt bleibt Jesus der Sanftmütige, der sich selbst beherrscht und aufsteht und weitergeht.

Wie viele Menschen kennen das Wort Selbstbeherrschung nicht. Sie toben, wenn es nicht so läuft, wie sie dachten und lassen ihre Wut an anderen aus. Oft sind es die Schutzbedürftigen in der Familie, die dem Unbeherrschten schutzlos ausgeliefert sind: Frauen, Kinder, alte Menschen.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir Rückschläge hinnehmen können und uns nicht entmutigen lassen, sondern stets den guten Weg wählen.

Mach uns fähig, auch dann noch auf das Wohl derer bedacht zu sein, die mit uns leben, wenn wir selbst zu fallen drohen. Amen.

Liedvorschlag           Meine ganze Ohnmacht                                                                           GL 437,2


4. Station Jesus begegnet seiner Mutter

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schriftwort   Sir 40,17

Liebe aber wird in Ewigkeit nicht ausgetilgt, Barmherzigkeit besteht für immer.

 

Betrachtung

„Du bist voll der Gnade.“ So hatte der Engel Maria einst Gottes Liebe zugesagt. Mit dieser Liebe hat sie Jesu Leben begleitet, und so steht sie jetzt mitleidend am Kreuzweg.

Wahre Liebe besteht ewig, und das Band zwischen Mutter und Kind ist schon im Mutterleib geknüpft. Und doch leiden so viele Kinder, weil ihnen die Liebe der Mutter versagt ist, und statt ihrer Angst und Misshandlung ihr Leben bestimmen. Maria hatte Mitleid, doch viele Eltern verstecken sich hinter dem Wort „Überforderung“ und lehnen jede Verantwortung ab.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

hauch uns die Liebe Gottes ein, die uns bestärkt als geliebte Kinder des ewigen Vaters. Befähige uns, unsere Kinder anzunehmen, sie zu lieben und zu unterstützen, sie stark zu machen und zu selbst- und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Amen.

Liedvorschlag                     Wo die Liebe wohnt                                              GL 832

 


5. Station Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Spr 20,6

Viele Menschen rühmen sich ihrer Güte, aber wer findet einen, auf den Verlass ist?

Betrachtung

Ein Leitspruch der Pfadfinder ist „Jeden Tag eine gute Tat“. Aus dem Leitspruch soll eine Lebenseinstellung werden, aus den jungen Menschen verlässliche Stützen.

Simon von Zyrene war kein Pfadfinder. In den Evangelien heißt es, dass er nicht freiwillig das Kreuz Jesu trug, aber vielleicht hat es sein Leben verändert. Vielleicht merkte er, dass es eine gute Tat war, die zur Lebenseinstellung wurde.

„Jeden Tag eine gute Tat“. Würde jeder das beherzigen, wäre die Welt besser, aber es gibt auch Menschen, die anderen unbarmherzig Lasten aufbürden. Weltweit werden Menschen ausgebeutet, schuften nur fürs Überleben, während sich andere auf ihren krummen Rücken ausruhen. Es ist keine gute Tat, den Überfluss der Reichen weiter zu mästen. Eine gute Tat wäre die gerechte Verteilung der Güter, gerechte Löhne, menschenwürdiges Arbeiten.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dränge uns, Unrecht zu bekämpfen, vor unserer Haustür wie auch weltweit. Mache uns bereit, unseren Beitrag zu leisten, dass Menschen nicht ausgebeutet, sondern fair entlohnt werden.

Heiliger Geist, zeige uns, wo eine gute Tat das Leben anderer leichter und damit das eigene Leben glücklicher macht. Amen.

Liedvorschlag           Herr, gib uns Mut zum Dienen                                                                           GL 448,2

 


6. Station Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Spr 3,3

Nie sollen Liebe und Treue dich verlassen; binde sie dir um den Hals, schreib sie auf die Tafel deines Herzens!

Betrachtung

Veronika hat wissentlich oder auch intuitiv dieses Schriftwort gelebt, als sie Jesus das Schweißtuch reichte. Sie war freundlich zu ihm. Mehr noch, sie erwies sich als echte Freundin auf dem schweren Weg, denn sie ließ sich nicht von den Drohgebärden der Soldaten, von ihren Schwertern und Lanzen beeindrucken. Sie stand Jesus bei.

Echte Freunde sind mehr wert als alle Reichtümer der Welt. Mit ihnen kann man durch Dick und Dünn gehen. Sie sind da mit Rat und Tat, wenn der Freund sie braucht. Sie können miteinander lachen und weinen, streiten und wieder gut sein, gemeinsam trauern und sich füreinander freuen.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir der Menschenfreundlichkeit Gottes unser Gesicht geben.

Mache uns zu Menschen, die Freundschaft als wahres Gut sehen und sich für die Freunde engagieren. Amen.

 

 

Liedvorschlag    Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen      GL 452,7       


7. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Ps 37,23-24

Der Herr festigt die Schritte des Mannes, er hat Gefallen an seinem Weg. Auch wenn er strauchelt, stürzt er nicht hin; denn der Herr hält ihn fest an der Hand.

Betrachtung

Das Kreuz hat schon sein Gewicht. Noch mehr drückt aber die Last des Verrates durch Judas, die Verleugnung durch Petrus, das vernichtende Urteil des Volkes und der Spott der Soldaten. Mit dieser Belastung auf den Schultern ist auf dem holprigen Weg ein Sturz unvermeidbar. Mancher würde jetzt fluchen oder aufgeben, aber Jesus steht auf und geht den Weg weiter.

Wie viele Menschen verlieren den Mut angesichts von schweren Schicksalsschlägen, die ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Gerade die Corona-Pandemie ist für viele zur Lebenskrise geworden. Manche haben den Arbeitsplatz verloren oder durch Kurzarbeit schwere Geldeinbußen. Da sterben auch Lebensträume.

Viele Eltern mussten neben ihrer Arbeit ihre Kinder betreuen, die nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen konnten. Viele Schüler kamen mit dem Homeschooling nicht klar und bangen um die Versetzung.

Und wie viele konnten ihre alten und kranken, nicht einmal ihre sterbenden Angehörigen besuchen und begleiten.

Mancher ist am Boden zerstört, hoffnungslos und trostlos.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir nie den Mut verlieren, sondern darauf vertrauen, dass wie auch in schweren Zeiten und Krisen in Gottes Hand geborgen sind.

Hilf uns, jenen beizustehen, die unter den Belastungen des Lebens zusammenbrechen. Amen.

Liedvorschlag        Bewahre uns, Gott                         GL 453, 1+3


8. Station Jesus begegnet den weinenden Frauen

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schriftwort   Weish 8,8

Die Weisheit kennt das Vergangene und errät das Kommende, sie versteht, die Worte schön zu formen und Rätselhaftes zu deuten; sie weiß im Voraus Zeichen und Wunder und kennt den Ausgang von Perioden und Zeiten.

Betrachtung

Am Kreuzweg stehen Frauen mit ihren Kindern. Sie haben Mitleid mit Jesus, aber sie weinen auch um sich selbst, denn nur Jesus hatte Worte, die ihnen Wert zusprachen, ihnen Trost spendeten und Hoffnung gaben. Seine Worte waren Segen.

Auch jetzt, mitten im eigenen Leid, wendet sich Jesus den Sorgen und Nöten dieser Frauen zu. Er sagt nicht: „Alles wird gut.“, denn er weiß, dass auch die Zukunft noch Tränen und Ängste für sie bereithalten wird.

„Alles wird gut“ ist meistens Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit in Situationen, die wir selbst nicht verstehen und einschätzen können.

„Alles wird gut“ ist oft der Versuch, zu trösten, der aber nicht getragen ist von Hoffnung.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir Situationen verstehen und verständlich machen.

Lass Hoffnung in unserem Trost und Gutes in unserem Rat sein, damit unser Reden nicht wertloses Geplänkel ist, das mehr Schmerzen verursacht als Linderung zu bringen.

Heiliger Geist, du kreative Kraft, hilf uns, die Zukunft zu gestalten nach Gottes Plan für unsere Erde. Amen.

 

 

Liedvorschlag           Schalom, Schalom (Siegfried Fietz)


9. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schriftwort   Ps 27,14

Hoffe auf den Herrn und sei stark! Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn!

Betrachtung

Hoffnung Mut nicht verlieren, stark sein, das ist leicht gesagt, wenn man fest im Leben steht. Jesus liegt am Boden, und er weiß, selbst wenn er aufsteht und weitergeht, steht am Ende des Weges das Kreuz, an dem er sterben wird. Und dennoch rappelt er sich auf und geht Schritt für Schritt den ihm bestimmten Weg.

Mancher Weg ist kurz und sein Ende absehbar, aber sollte man ihn nicht dennoch gehen? Menschen mit der Diagnose „Unheilbar“ beweisen oft unglaubliche Stärke. Niemals geben sie sich, ihre Hoffnung, ihr Leben auf. Manche wachsen über sich hinaus und vermögen noch ihre Familie und Freunde aufzurichten, die am Boden zerstört sind.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

du Geist der Stärke Gottes, die auch uns beseelen kann und standhaft macht in allem Leid und gegenüber allem Leiden.

Heiliger Geist, lege Gottes Kraft und Lebensatem in alle, die des Lebens müde geworden sind. Amen.

  

Liedvorschlag        Hoffen wider alle Hoffnung                GL 829,1

 


10. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schriftwort   Weish 2,18a-19

Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes.

Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben.

Betrachtung

Der Weg ist zu Ende, Jesus steht auf dem Golgatha. Die Soldaten nehmen seine Kleider und präsentieren ihn fast nackt den Schaulustigen. Lässt Jesus es zu, weil er keine Kraft mehr hat, Widerstand zu leisten oder weil sowieso alles zwecklos und egal ist?

Geduld ist eine innere Stärke. Jesus erträgt auch noch diese Demütigung.

Beleidigungen und Demütigungen sind heute überall zu finden. Was für den einen ein Spaß ist, ist für den anderen eine schreckliche Verletzung. Die Täter agieren oft versteckt vom Computer aus. Sie machen sich die sozialen Plattformen des Internets zu Nutze, um ihr unsoziales Pamphlet zu verbreiten.

Mancher erträgt geduldig diese Schmähung, andere gehen daran zugrunde.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

damit unser Denken, Reden und Handeln heilig sei. Hindere uns daran, durch Wort und Tat anderen Schaden zuzufügen.

Schenke uns Geduld mit jenen, die uns angreifen, beleidigen und demütigen und richte alle Opfer verbalisierter Gewalt auf. Amen.

  

Liedvorschlag           Gib mir die richtigen Worte

 

 


11. Station Jesus wird an das Kreuz angenagelt

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

Schriftwort   Gen 1,27

Gott schuf den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.

 

 

Betrachtung

Jetzt wird Jesus an das Kreuz angenagelt. Routiniert verrichten die Soldaten ihr Handwerk. Aber ihre Hände schaffen nichts Gutes, bauen nicht auf, sondern vernichten. Der Mensch, Abbild des ewigen Gottes, ist ihnen egal. Die Vernichtung eines Menschen – für sie nur ein Job.

So oft werden Menschen handlungsunfähig gemacht. Kindern, denen man nichts zutraut es ihnen offen ins Gesicht sagt bis sie es selber glauben und sich aufgeben. Was soll aus ihnen werden?

Menschen, die immer mit anderen verglichen werden und nach und nach jedes Selbstwertgefühl verlieren, weil sie dem Druck nicht mehr standhalten können.

Alte, kranke und behinderte Menschen, denen die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit abgesprochen wird, die entmündigt und manchmal auf diese Weise enteignet werden.

Alle sind sie Abbilder Gottes, der jedem von ihnen Fähigkeiten zur Gestaltung des Lebens gab.

Und manche Menschen nehmen ihnen jede Möglichkeit, zu handeln und zu gestalten.

 

 

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir das Heilige im anderen erkennen, die Unantastbarkeit der göttlich-menschlichen Würde. Schenke uns den Respekt voreinander und die Wertschätzung, die Kinder stark macht, Schwache schützt und jeden Menschen liebenswert und schön erscheinen lässt.

Lass nicht zu, dass wir einem anderen durch unser Reden und Tun die Luft zum Atmen die Möglichkeit zum Handeln nehmen. Amen.

Liedvorschlag          Du bist das Leben                       GL 748,5-6


12. Station Jesus stirbt am Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Mk 15,39

Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.

Betrachtung

Der Hauptmann hat schon viele am Kreuz sterben sehen. Was war so anders an Jesu Sterben, dass er sagen kann: Dieser war Gottes Sohn?

Erkennt man einen Menschen erst, wenn er gestorben ist? Kennt man ihn erst nach seinem Tod oder ist es eher die Erkenntnis, was man an dem anderen gehabt hat und was einem jetzt fehlt? Wie viele Menschen können erst am Sterbebett eines Angehörigen oder Freundes ihrer Zuneigung und Liebe Worte verleihen. Dabei hätten sie in der Zeit der Gesundheit und der Lebenskraft so gutgetan. Und doch sind sie auch am Sterbebett nicht verloren, sondern können beiden beim Abschied helfen, dem Sterbenden und dem, der zurückbleibt.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir zeit unseres Lebens danach trachten, den anderen zu erkennen und zu verstehen. Gib uns den Mut, Gefühle zu zeigen und geliebten Menschen kein beglückendes Wort schuldig zu bleiben. Amen.

  

Liedvorschlag         Von guten Mächten               GL 815, 1+5


13. Station Jesus wird vom Kreuz abgenommen
und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Jer 31,15

So spricht der Herr: Ein Geschrei ist in Rama zu hören, bitteres Klagen und Weinen. Rahel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen, um ihre Kinder, denn sie sind dahin.

Betrachtung

Jesus leidet nicht mehr, sein Tod hat seine Schmerzen ausgelöscht. Maria aber leidet weiter. Sie weint und findet keinen Trost, jetzt, wo ihr toter Sohn in ihrem Schoß liegt. Gott hat seinen Tod nicht abgewandt, und sie wird nun damit leben müssen.

Wie sollte eine Mutter nicht ihr totes Kind betrauern, wenn sie sich noch an das beglückende Gefühl erinnert, als es sich in ihrem Leib regte. Egal, ob der Sohn, die Tochter im Kindesalter stirbt oder als Erwachsener, egal, wie viel Zeit seitdem vergangen ist, für Eltern wird es eine schmerzhafte Erinnerung bleiben.

Es gab Zeiten, in der die Trauer um ein totes Kind weggewischt wurde mit Sprüchen wie: „Du bist noch jung und kannst weitere Kinder bekommen!“ oder „Du hast andere Kinder, um die du dich kümmern musst.“ Wie tief der Schmerz bei betroffenen Eltern sitzt, ist oft erst nach Jahren, vielleicht am Ende ihres Lebens sichtbar.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

du wahrer Tröster in jeder Not. Steh jenen bei, die den Tod eines geliebten Menschen beklagen. Bewahre uns vor unbedachten Äußerungen, die Schmerz vergrößern. Mache uns fähig, wahres Mitgefühl zu zeigen und auch still mitzuleiden. Amen.

  

Liedvorschlag           Selig seid ihr             GL 459


14. Station Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schriftwort   Gen 15,13a. 15

Gott sprach zu Abram: Du wirst in Frieden zu deinen Vätern heimgehen; in hohem Alter wirst du begraben werden.

Betrachtung

Jesus starb eines ungerechten und gewaltsamen Todes. Da war kein Frieden, nur Hass und Neid, die ihn ans Kreuz brachten. Doch hatte er seinen Frieden mit Gott gefunden, als er sagte: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!? Die Jünger und Maria legen Jesu Leichnam ins Grab. Gefühle vermischen sich: Trauer, Wut, Ruhe, aufgewühlt sein, Enttäuschung, Frieden.

Der Tod nach langem Leiden sehen viele Menschen als Erlösung an. Das tröstet sie, dass der Tote nun Frieden gefunden hat. Und das Grab ist der Ort, den sie schmücken können, zu dem sie kommen, um mit dem Verstorbenen zu sprechen und ihm nahe zu sein.

Das Grab nimmt nur auf, was sterblich ist. Wir glauben und hoffen, dass die unsterbliche Seele bei Gott wahren Frieden findet und dass es ein Wiedersehen gibt bei ihm. Das ist ein Trost, der auch den Trauernden Frieden schenken mag.

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

du lebenspendender Atem Gottes, dass wir daran glauben können, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und das Grab nur das letzte Ruhebett für den sterblichen Leib ist.

Mach uns aufmerksam für die Menschen, die an Gräbern stehen und keinen Frieden finden. Dann lass uns behutsame Begleiter sein. Steh jenen bei, die keinen Ort für ihre Trauer haben, die nicht wissen, wo ihre Toten begraben sind. Amen.

Liedvorschlag           Bonum est confidere                  GL 821

 


15. Station Der Herr ist auferstanden 

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftwort   Joh 20,19-22

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

Betrachtung

Schon vor der Erschaffung der Welt schwebte Gottes Geist über dem Wasser der Urflut als suchte er einen Platz, an dem er bleiben kann. Dem Menschen blies Gott, der Schöpfer seinen lebenspendenden Atem und seinen Geist ein, den Heiligen Geist. Im Menschen sollte er wohnen, ihm seine Gaben schenken, damit er sie einsetzt, die Erde und das menschliche Miteinander zu gestalten.

Auch der Auferstandene haucht seine Jünger an: Empfangt den Heiligen Geist.

Er weiß, dass sie mit der Kraft des Geistes seine Mission fortführen und Gottes frohmachende Botschaft den Menschen verkünden. Er selbst, Christus, betraut sie mit dieser Aufgabe und wird ihnen noch einmal am Pfingsttag den Heiligen Geist mit der Fülle der Gaben senden, um sie frei zu machen von allen Ängsten, sie neu zu begeistern, Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen und sie in Wort und Tat zu bezeugen.

Spüren auch wir den Lebenshauch des Herrn und hören wir ihn sagen: Empfangt den Heiligen Geist. Geht, ich sende euch!

Gebet

Atme in uns, Heiliger Geist,

dass wir der Auferstehung trauen und furchtlos unseren Weg durchs Leben gehen.

Atme in uns, Heiliger Geist,

ermutige uns, dem Ruf des Herrn zu antworten und uns von ihm senden und bestärken zu lassen.

Atme in uns, Heiliger Geist,

mache uns zu Boten der Liebe Gottes für jeden Menschen, für jedes Geschöpf.

Atme in uns, Heiliger Geist. Atem Gottes, komm!

Liedvorschlag           Atme in uns, Heiliger Geist               GL 346