Kreuzweg in Kevelaer

Leitgedanke für die Wallfahrtszeit 2020:

„Ich bin, wo du bist“

Einleitung

Dies ist Martin Bubers Übersetzung der Bibelstelle Exodus 3,14. Gott nennt Mose seinen Namen «Ich-bin-da»

„Ich bin, wo du bist“ – Gottes Zusage an uns ist mehr als ein „Ich bin bei euch“.

 Wir Menschen sind doch irgendwie immer anders.

Manchmal wachsen wir über uns hinaus und tun etwas, was wir uns niemals zugetraut hätten, und an anderer Stelle versagen wir.

Wie wir uns geben, ist bei uns oft abhängig vom Ort, von der Zeit und von den Menschen, mit denen wir gerade zu tun haben.

 Gott aber ist von nichts abhängig. Er ist immer derselbe.

Gott ist Leben, aber was wissen wir vom Leben?

Gott ist gut, aber bei uns gibt es so viel Schlechtes und so viel Übel.

Gott ist Liebe, aber unsere Liebe ist nicht bedingungslos.

Gott ist, der er ist, und unser Erkennen und unser Glaube sind nur Stückwerk.

 Jesu ist die größte Offenbarung Gottes, denn er ist Gott und war doch auch Mensch. Er wurde geboren, er lebte ganz menschlich und machte selbst vor dem Leiden und dem Tod nicht Halt.

Sein Kreuzweg zeigt uns auf der einen Seite, wie sehr Gott sich dem Menschen zuwendet und auf der anderen Seite, wie wenig wir Gott verstehen.

 „Ich bin, wo du bist“ – Gott bleibt immer derselbe, egal wo wir sind und wie wir sind. Gott ist Gott.

Wir gehen den Kreuzweg und nehmen unsere Anliegen mit in dem Vertrauen, dass Gott Pläne des Heils für uns hat.


1. Station Jesus wird zum Tod verurteilt.

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich

A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext                   Mt 27,11-18

Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser:

Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es.

Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten,

gab er keine Antwort.

Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage,

sodass der Statthalter sehr verwundert war.

Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen

freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte.

Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im

Gefängnis.

Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war:

Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus,

den man den Messias nennt?

Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte.

 

Betrachtung

Jesus steht vor Gericht.

Was wirft man ihm vor?

Er brachte die Freiheit im Glauben, die die geistliche Führung den Menschen versagte.

Jesus brachte Gott, wie er wirklich ist,

den Menschen liebevoll zugewandt.

Das bezeugte er mit seinem Leben.

Die Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer benutzten Gott und seine Gebote für ihre eigenen Zwecke.

Jetzt spannen sie Jesus vor ihren Karren, um vor König und

Statthalter gut dazustehen.

Wer aber anderen Schuld zuweist, der versucht in der Regel von

eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlern und von eigener Schuld

abzulenken.

Wie oft geschieht das in unserer Welt: Verdächtigungen und

Schuldzuweisungen. Wer will sich davon freisprechen?

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast geschwiegen, als die Hohenpriester und Ältesten ihre

Anklage gegen dich vorbrachten.

Du hast das falsche Urteil angenommen, weil dein Kreuzweg der Weg zu unserem Heil werden sollte.

Wir bringen dir die Menschen, die sich nicht wehren können,

denen keiner vertraut und glaubt.

Steh du ihnen bei, auch durch gute Anwälte, die sich ihrer Sache annehmen und ihr Recht vertreten. Amen.

Liedvorschlag       Aus der Tiefe rufe ich zu dir               GL 283


2. Station Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

Schrifttext         Est 4, 17l

Herr, unser König, du bist der Einzige. Hilf mir! Denn ich bin allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir.

 

Betrachtung

Jesus nimmt das Kreuz an.

Es wird ein einsamer Weg, denn wer sollte den Weg eines

Todgeweihten freiwillig gehen? Jesus geht ihn für jeden Einsamen, für jeden, der angstvoll in die Zukunft schaut oder aus Angst jeden Kontakt meidet.

Die Welt befindet sich in der großen Krise. Corona ist ihr Name.

Die Krankheit macht keinen Unterschied zwischen Völkern und Sprachen. Ländergrenzen kennt sie nicht, auch nicht arm oder reich.

Es ist ihr egal, welches Ansehen ein Mensch genießt, welchen

Einfluss er hat. Doch sie greift die an, die durch Alter oder

Vorerkrankungen geschwächt sind.

Die Maßnahmen, die getroffen werden, machen viele Menschen

einsam. Gerade alte Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sind isoliert in ihren Wohnungen und Häusern.

Und da, wo Krankenhäuser überfüllt und Ärzte und Pflegepersonal, aber auch die Hilfsmittel an die Grenzen geraten, da sind es die

älteren Patienten, denen keine Chance mehr gegeben wird.

Und manche fragen: Wo ist Gott?

Er trägt das Kreuz und die Einsamkeit aller Menschen.

Gebet

Herr Jesus Christus,

du gehst den einsamen Kreuzweg.

Auch wenn er gesäumt ist von Menschen,

so spürt doch niemand die Last, die du trägst.

Wir bringen dir die Menschen, die unter vielen anderen allein sind.

Lass sie deine Gegenwart spüren.

Nimm allen, die heute sterben, die Angst vor dem Tod. Amen.

Liedvorschlag       Von guten Mächten                  GL 815,1+3


3. Station Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext        Ez 47,1.8-9

Dann führte mich der Mann zum Eingang des Tempels zurück

und ich sah, wie unter der Tempelschwelle Wasser hervorströmte und nach Osten floss;

denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten.

Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab, südlich vom Altar.

Er sagte zu mir: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk,

es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund.

Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles,

was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden die Fluten gesund;

wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.

Betrachtung

Jesus stürzt. Es ist mehr als die Last des Kreuzes,

die ihn niederdrückt: Verrat, Verleugnung, falsche Anschuldigungen,

Spott und Hohn.

Er könnte einfach liegenbleiben und an Ort und Stelle sterben.

Aber Jesus will den Weg bis zum Ende gehen, denn das Leben gibt nicht einfach auf. Gott gibt uns nicht auf.

Jesus weiß, dass wir Menschen seinen Kreuzweg brauchen,

jede einzelne Station, um zu begreifen, dass Gott Leben will für uns.

Weltweit wirken Städte wie ausgestorben.

Vereinzelt sieht man Menschen auf den Straßen und Plätzen,

in Geschäften und auf Märkten.

Wo sonst das Leben in bunten Farben schillert und in den verschiedensten Sprachen und Klängen tönt, da ist es still geworden.

Doch gerade an solchen Orten, wo die Natur kaum noch Platz findet und am Boden liegt, richtet sich das Leben auf.

Wasser gewinnt wieder Klarheit, die Vegetation erholt sich,

Tiere finden Lebensraum. Wofür?

Wird nicht nach der Corona Krise alles wieder zerstört durch den achtlosen Umgang mit der Natur?

Das Leben kann nicht anders, es findet seinen Weg und nutzt jede Chance. Gott ist Leben.

Gebet

Herr Jesus Christus,

obwohl du so verletzt und erschöpft warst, hast du nicht aufgegeben, weil du den Menschen niemals aufgibst.

Wir beten für alle, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen und für alle, die erkennen, wo wir Menschen uns zurücknehmen müssen, damit die Natur sich erholen kann.

Hilf uns, jedes Leben zu achten. Amen.

Liedvorschlag       Gott gab uns Atem                   GL 468


4. Station Jesus begegnet seiner Mutter

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext        Ex 20,12

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

Betrachtung

Maria steht am Weg. Sie sieht voll Schmerz, wie ihr Sohn leidet.

Sein Schmerz wird zu ihrem Schmerz.

Auch Jesus sieht seine Mutter. Er hat Mitleid mit ihr.

Vielleicht sollte sie nicht hier sein.

„Mutter, geh nach Hause! Das ist zu viel für dich!“

Auch das zeigt die derzeitige Krise.

Ältere und alte Menschen gehören zur Risikogruppe.

Viele trauen sich nicht mehr vor die Tür, bleiben zu Hause.

Wenn da noch ein Partner ist oder die Kinder und Enkel,

die mal anrufen, dann ist das noch erträglich.

Wie viele alte Menschen sind jedoch alleine und haben keine

Unterstützung, niemanden, der nach ihnen schaut oder der anruft?

Gott sieht auf jeden Menschen.

Jedes Alter ist ihm wichtig, er zählt jedes Haar, auch das graue.

Wie Jesus voll Sorge auf seine Mutter schaut, so sollten wir uns um die älteren Mitmenschen sorgen: einen Gruß dem Nachbarn in den Briefkasten werfen, nach ihm fragen, den Einkauf erledigen, anrufen, ihm sagen, dass er nicht allein ist.

Gebet

Herr Jesus Christus,

im eigenen Leid hast du das Leid deiner Mutter gesehen.

Schenke uns die Aufmerksamkeit für die Menschen, die keine

Angehörigen haben.

Hilf uns, das Alter zu achten und wertzuschätzen und erfinderisch zu sein, um die Älteren zu erreichen und ihnen zu helfen. Amen.

Liedvorschlag       Meine Zeit                                           GL 818

Siehst du dort den alten Mann

(Streets of London: Jasmine Bonnin)


5. Station Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext             Lk 23,26

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.

Betrachtung

Jesus ist so geschwächt von den Verwundungen und von der Last des Kreuzes. Den Soldaten wird klar, dass er es vielleicht nicht

alleine schafft. Deshalb laden sie dem Mann aus Zyrene das Kreuz auf die Schultern. Er trägt es hinter Jesus her und muss sich dabei seinem Schritt anpassen. Das bedeutet, dass er auf Jesus achten muss, anhalten, wenn er stehenbleibt, gehen, wenn er geht.

Auch die Politiker und die Krisenmanagements müssen immer

wieder aufs Neue schauen und abwägen, welche Maßnahmen

gerade richtig und wichtig sind. Es ist nicht leicht, dieses Kreuz zu tragen, auf ihm lastet so viel Verantwortung. Dieser Weg ist sehr

mühevoll und ermüdend. Doch auch das ist zu sehen: Noch nie gab es so viel Einigkeit unter den Parteien. Hitzige Debatten und

Wortgefechte sind abgelöst von echter Sorge um das Wohl der Menschen und der Nation.

Gott übertrug dem Menschen Verantwortung für alles Leben. Er zieht sich selbst nicht aus der Verantwortung, sondern stützt und inspiriert jene, die in dieser Krise die Gesundheit der Menschen über

wirtschaftliches Wachstum und Erfolge setzen.

 

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

Simon von Zyrene hat dir die Last des Kreuzes abgenommen.

Er hat auf dich geschaut, sich auf dein Tempo eingelassen.

Wir bitten dich für alle, die in Politik und Wirtschaft Verantwortung tragen; stärke sie in ihrem Dienst für die Menschen.

Lass sie nicht in die alten Muster des Gegeneinanders zurückfallen, sondern gestärkt und einig aus der Krise hervorgehen. Amen.

Liedvorschlag       Herr, gib uns Mut zum Hören              GL 448

 


6. Station Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Lk 9,1-2

Jesus rief die Zwölf zu sich und gab ihnen die Kraft und die

Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen. Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen.

Betrachtung

Jesus handelte mit göttlicher Kraft und Vollmacht und gab auch den Aposteln davon. So wie er, sollten sie Gottes Zuwendung zum ganzen Menschen in Wort und Tat, durch Predigt und Heilung bezeugen. Jesus wusste um seinen Kreuzweg und dass ihm nicht die Zeit bleiben würde, um allen Menschen Gottes Liebe zu verkünden.

Auf dem Kreuzweg wendet sich Veronika Jesus zu und reicht ihm das Tuch, mit dem er Blut und Schweiß vom Gesicht wischen kann.

„Veronika“ – der Name bedeutet „Das wahre Gesicht“.

Ihre Geste zeigt das wahre Gesicht Gottes, voll Güte und Liebe, voll Mitleid und Erbarmen.

Es zeigt aber auch, dass der Mensch Abbild Gottes ist und damit in der Lage, Gottes Liebe in der Welt sichtbar zu machen.

Gott sorgt sich nicht nur um das Seelenheil, sondern auch um die Gesundheit des Menschen und beruft zu allen Zeiten Ärzte und

Pflegepersonal. Sie verpflichten sich, dem Leben zu dienen, Heilung und Linderung zu schaffen, wo Leben eingeschränkt, verletzt und gefährdet ist.

Gerade jetzt sind Ärzte und Pflegepersonal so gefragt, ist ihr Dienst so wichtig, auch in den Wohlstandsländern.

Und gerade jetzt kommen sie an ihre Grenzen, arbeiten bis zur Erschöpfung und müssen gegen ihr Ethos, Leben zu achten, oft Leben aufgeben. Was für eine schreckliche Entscheidung, und was für eine schwere Last?

Gebet

Herr Jesus Christus,

Veronika konnte dir das Schweißtuch reichen und dir so zeigen, dass du nicht allein bist auf dem Weg. Diese kleine Geste war eine Wohltat für dich.

Wir bitten dich für die Ärzte und das Pflegepersonal, die auch auf Kosten der eigenen Gesundheit dem Wohl der Menschen dienen. Stärke sie in ihrem Dienst, lass sie nicht nur Anerkennung, sondern auch echte Unterstützung erfahren.

Wo sie Leben aufgeben müssen, trete du an ihre Stelle und schenke deine Liebe und dein Heil. Amen.

Liedvorschlag       Da wohnt ein Sehnen                GL 823,3-4


7. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext         Lk 11,2-4

Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:

Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.

Und erlass uns unsere Sünden;

denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.

Und führe uns nicht in Versuchung.

Betrachtung

Jesus fällt unter der Last des Kreuzes.

Er hat sich immer im Gebet an den Vater gewandt bevor er zu der Menge gepredigt und Zeichen und Wunder gewirkt hatte. Der Vater gab ihm die Bestätigung und die Kraft. Mit den Worten des Vaterunsers lädt Jesus uns ein, in die Beziehung mit Gott einzutreten. Die Worte des Vaterunsers zeigen Gottes Interesse an den Menschen.

Vielleicht hat Jesus sie gebetet als er am Boden lag, und der Vater gab ihm die Bestätigung und die Kraft, aufzustehen und weiterzugehen.

Durch die Kontaktverbote stehen viele Betriebe still. Am schwersten trifft es die kleinen Unternehmen, die auf keine Rücklagen zurückgreifen können und eh ums Überleben kämpfen.

Gerade für sie wird der Satz „Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.“ zum täglichen Gebet.

Manche Branchen lassen es zu, erfinderisch zu werden und Alternativen anzubieten. Was sie brauchen, ist die Solidarität der Mitmenschen, die die verschiedenen Angebote auch annehmen.

Gebet

Herr Jesus Christus,

das Gebet, die Verbindung zum Vater und die Einheit mit ihm haben dir in allen Lebenslagen geholfen.

Nie hast du auf eigenes Können gesetzt.

Wir bitten dich für die Betriebsleiter, für Wirtschaftsbosse,

Angestellte und Arbeiter.

Schenke denen Kreativität, die in dieser schweren Zeit ihre Dienstleistungen umstellen können. Lass sie aber auch erkennen, dass Gott der erste war, der kreativ diese Welt erschaffen und den Menschen ausgestattet hat, weiter zu formen und zu gestalten.

Vergiss nicht jene, die nur von Kurzarbeit oder Sozialhilfe leben müssen und schenke ihnen das, was sie zum Leben brauchen.

Amen.

Liedvorschlag       Zeige uns den Weg                             GL 822


8. Station Jesus begegnet den weinenden Frauen

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 


Schrifttext        Lk 23,27-28

Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen,

die um ihn klagten und weinten.

Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von

Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder!

Betrachtung

„Weint nicht über mich, sondern über euch und eure Kinder!“

Jesus weiß um die Schwächen der Menschen.

Er weiß, wie schwer es ist, für das Wohl der Allgemeinheit auf das Recht des Egoismus zu verzichten.

Die Corona-Krise ist schwer zu ertragen für jene, die keine Symptome haben, die stark sind und doch betroffen von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Junge Menschen brauchen die Begegnung mit anderen, das Treffen mit Freunden, gemeinsame Feiern.

All das wird ihnen jetzt untersagt, weil sie, vielleicht selbst nicht

erkrankt, trotzdem das Virus weitertragen können.

Vielen fällt es schwer, sich an das Kontaktverbot zu halten.

„Weint über eure Kinder!“

In Zeiten, wo die Menschen ständig in der Wohnung, in der Familie, in Gemeinschaften aufeinander hocken, da liegen irgendwann die Nerven blank. Die geschenkte Zeit in der Familie wird für manche stressig, der Ton rauer.

Vielleicht kommt es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, wird die Hand erhoben, Eltern gegen Kinder, Kinder gegeneinander und gegen die Eltern.

Gott aber schuf den Menschen und wollte, dass er in Gemeinschaft, in Liebe mit anderen lebt.

„Weint über euch und eure Kinder“

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast die Not der Frauen und Kinder erkannt.

Wir bitten dich gerade für die Familien, dass sie die Enge in der Wohnung und in ihren Häusern ertragen.

Schenke ihnen Phantasie, um Zeit miteinander zu gestalten.

Der Jugend gib die Einsicht, dass sie ebenfalls Verantwortung für die Gesundheit der Mitmenschen tragen.

Mach sie bereit, ihre Kraft einzusetzen zum Wohl derer, die sich

alleine nicht zu helfen wissen. Amen.

 

Liedvorschlag       Bewahre uns Gott                               GL 543


9. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

 

Schrifttext         Jes 57,15

Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig Thronende,

dessen Name «Der Heilige» ist: Als Heiliger wohne ich in der Höhe, aber ich bin auch bei den Zerschlagenen und Bedrückten, um den Geist der Bedrückten wieder aufleben zu lassen und das Herz der Zerschlagenen neu zu beleben.

Betrachtung

Jesus liegt am Boden, bedrückt, zerschlagen.

Doch er steht wieder auf, um den Weg bis zum Ende zu gehen.

Vielleicht wird das Kreuz, seine Last auch seine Stütze, an der er sich aufrichten kann. Wir mögen fragen, wie Gott das Leid seines einzigen Sohnes zulassen kann, doch er zeigt sich gerade im Leid Jesu als Mitleidender im Leid der Menschheit.

Die Krise, die wir gerade erleben, richtet den Blick auf das Leid der Infizierten, auf die Anstrengungen der Politiker und Helfer in den verschiedensten Diensten, auf die Wirtschaftslage und auf die

Situation der Menschen, für die die Maßnahmen gegen die

Ausbreitung der Pandemie zunehmend schwieriger zu ertragen sind.

Vor der Krise sprach man noch von den menschenunwürdigen

Bedingungen in den Flüchtlingslagern und von Hilfemaßnahmen.

Sind die Flüchtlinge die Vergessenen in der Corona-Krise? Ist ihr Leiden weniger leidvoll und weniger bedenkenswert?

Es ist die Aufgabe von uns allen, von der Nabelschau wieder zum Weitblick zu gelangen, der auch die Not und das Leid abseits von Corona sieht.

Gebet

Herr Jesus Christus,

ein letztes Mal fällst du, bleibst liegen, bündelst die letzten Kräfte und stehst wieder auf.

Wir bringen dir die Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg und Terror, die durch die Zerstörung ihrer Häuser und Städte keine Zukunft in ihrer Heimat sehen.

Wir bringen dir die Menschen, die in Flüchtlingslagern ausharren und sich vergessen und verloren fühlen.

Richte unseren Blick auf ihr Leid und lass uns helfen, wo wir

können. Wo unsere Hilfe zu klein ist, da lass Wunder geschehen. Amen.

 

Liedvorschlag       Ubi caritas                                          GL 285

 


10. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext          Joh 19,23-24

Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war.

Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus.

Betrachtung

Während Jesus mit dem Tod kämpft, teilen die Soldaten seine

Kleidung unter sich auf. Ja, sie würfeln sogar um sein Gewand.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Aber gilt ein Gekreuzigter noch als Mensch?

Wie viele menschenverachtende Taten gibt es?

Es werden Kriege mit Waffen geführt und Attentate verübt, bei

denen man dem Gegenüber nicht ins Gesicht sehen kann.

Da ist nur noch ein gesichtsloser Gegner. Wie sollte da Skrupel

aufkommen?

Auch die zunehmenden Attentate zeigen die Verachtung des

Menschen durch den Menschen.

Da wird das Auto zur Waffe und verletzt beim fröhlichen Rosenmontagszug in Volkmarsen mehr als einhundert Menschen, und dem Täter ist das Alter und das Geschlecht seiner Opfer egal.

In Hanau tötet ein Mann 10 Menschen, darunter auch die eigene Mutter. Sein Motiv lässt Rassismus vermuten. Wahrscheinlich wollte er Aufmerksamkeit für seine Theorie, seine Wahnvorstellung von

einer Überwachung durch den Geheimdienst.

Wo der Mensch den Menschen verachtet, bleibt Gott ihm doch zugewandt, weil Gott immer derselbe ist, der den Menschen als sein Gegenüber gewollt und geschaffen hat.

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast am eigenen Leib erfahren, wie unmenschlich Menschen sein können und den seelischen Schmerz der Verachtung ertragen.

Wir bringen dir die Menschen, die Opfer von sinnloser Gewalt

wurden, die traumatisiert und an Leib und Seele verletzt sind.

Wir bringen dir die Menschen, die erfahren mussten, dass kein Ort auf dieser Welt wirklich sicher ist vor Anschlägen. Lass ihre Wunden heilen, die sichtbaren wie die unsichtbaren. Amen.

 

Liedvorschlag       Mit lauter Stimme                               GL 162

 

 


11. Station Jesus wird an das Kreuz angenagelt

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

 

Schrifttext          Joh 19,16a-18

Pilatus lieferte ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.

Sie übernahmen Jesus.

Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt.

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite

einen, in der Mitte Jesus.

Betrachtung

Auf dem Hügel Golgota wird Jesus ans Kreuz geschlagen.

Ein paar Stunden höchstens, und dann sind sie ihn endlich los.

Bald wird er vergessen sein, nur noch eine Erinnerung.

Sind auch die Leiden in der Welt nur noch eine Erinnerung?

Wir sehen die Bilder von Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert um ihr Leben kämpfen, Ärzte und Pflegepersonal, das bis zur Erschöpfung arbeitet, Menschen, die kreativ werden in ihren Familien, in der Nachbarschaft, im Betrieb, um die Krise gut zu bewältigen.

Die Elendsbilder von Menschen, die unterernährt und durstig sind, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, denen der Zugang zu Bildung versagt bleibt, all diese Bilder sind fast vergessen.

Ist unser Leiden, das manche noch mit einem Lachen und mit kleinen ironischen Videos überspielen können, größer als das Elend in den Armenvierteln?

Vergessen wir die, die immer Hunger und Durst haben, die frieren und denen das Nötigste zum Leben fehlt.

Sie haben keine Stimme mehr, die ihre Not hinausschreien könnte. Sie sind so schwach, dass sie ihre Situation nicht selber ändern können.

Soll sich Gott ihrer annehmen, weil wir genug mit uns zu tun haben?

 

 

 

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast auch das menschliche Sterben angenommen und dich nicht auf deine Göttlichkeit berufen.

Dein Kreuz wurde aufgerichtet auf dem Hügel, dass jeder dich

sehen konnte.

Wir bringen dir die Menschen, die keiner mehr wahrnimmt, deren Leiden so wenige berühren. Steh du ihnen bei.

Mach uns bereit, für sie zu beten und die Hilfswerke zu unterstützen, die sich der Not der Armen annehmen. Amen.

Liedvorschlag       Selig seid ihr                                      GL 459

 


12. Station Jesus stirbt am Kreuz

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

 

Schrifttext        Mt 27,46-47.50

Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?,

das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.

Betrachtung

Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Im letzten Todeskampf fühlt auch Jesus sich völlig alleingelassen.

Er hängt zwischen Himmel und Erde, gehört weder nach unten noch nach oben, und niemand kann ihm dieses Gefühl der Verlassenheit nehmen. Es ist ein einsames Sterben.

Einsam sterben gerade so viele Menschen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben und für die es keine Überlebenschance gibt. Das Personal im Krankenhaus hat keine Zeit, sich an die Sterbebetten zu setzen. Seelsorgern und Angehörigen ist der Zutritt verboten. Den letzten Schritt in diesem Leben gehen sie völlig allein, ohne ein freundliches Wort, ohne Gebet, ohne Trost.

Jesus fühlte sich gottverlassen als er am Kreuz hing. Doch mit dem letzten Atemzug spürt er, dass er sich in die gütigen Hände des Vaters fallen lassen kann, denn Gott lässt keinen Menschen allein. Viel zu groß ist seine Liebe zu uns.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast die Einsamkeit in deinem Sterben gespürt, aber auch die tiefe Gewissheit der Gegenwart des Vaters.

Wir bringen dir die Menschen, die heute so einsam sterben.

Wir beten für alle, die sich noch mit einem anderen aussprechen und versöhnen wollen und es nicht können.

Wir bitten dich für jene, die ein gutes Wort bräuchten und eine Hand, die ihre hält.

Herr, sei du ihr Beistand in der Stunde ihres Todes. Amen.

 

Liedvorschlag       Bleibet hier                                         GL 286

 

 


13. Station Jesus wird vom Kreuz abgenommen
und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Jer 9,16-17

So spricht der Herr der Heere: Begreift es!

Ruft die Klagefrauen herbei!

Schickt nach den weisen Frauen! Sie sollen kommen.

Schnell sollen sie kommen und Klage über uns anstimmen,

sodass unsre Augen von Tränen fließen und unsre Wimpern von Wasser triefen.

Betrachtung

Keine Totenklage, nur Maria, die ihren toten Sohn im Arm hält.

Kein lautes Weinen und Klagen. Es ist still geworden am Kreuz.

Das Schauspiel ist vorbei, die Leute sind gegangen.

Für die Toten interessiert sich keiner mehr und keiner sieht den Schmerz der Mutter.

Es ist grausam, dass mit dem Corona-Virus infizierte Menschen ohne jeden Beistand sterben müssen. Ebenso grausam ist es für die Angehörigen und Freunde.

Sie haben das Gefühl, den Sterbenden alleingelassen zu haben.

Anders als Maria dürfen sie ihre Toten nicht mehr sehen oder

Anfassen, was für viele Menschen doch so wichtig ist.

Welche Gedanken gehen ihnen durch den Kopf? Welche Gefühle bewegt ihr Herz?

Hat sich Gott abgewandt? Gott wendet sich nicht ab. Er klagt still an unserer Seite und weiß doch um seine Pläne des Heils.

Gebet

Herr Jesus Christus,

du selbst konntest nichts mehr tun. Deine Mutter hob stille Klage über deinen Tod an und barg dich in ihrem Schoß.

Wir bringen dir die Menschen, denen ein solcher Abschied von ihren Liebsten verwehrt ist.

Wir beten für jene, die das Gefühl haben, dass ihre Worte im Wind verwehen und ihre Tränen ins Leere laufen.

Sei du ihr Halt und ihre Stütze. Amen.

 

Liedvorschlag       Meine engen Grenzen                         GL 437

 

 


14. Station Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

 

Schrifttext          Joh 19,40-42

Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.

An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war.

Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

 

 

Betrachtung

Es sind nicht viele Menschen bei der Beisetzung Jesu.

Alles muss schnell gehen, da der Sabbat naht.

Nur das Nötigste wird getan und dann das Grab verschlossen.

Die Beisetzung eines Toten ist für viele noch ein letzter gemeinsamer Gang, verbunden mit Erinnerungen und der Wertschätzung des Verstorbenen.

Auch hier greifen die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus massiv ein. Beisetzungen dürfen nur noch im engsten Familienkreis unter Einhaltung des Sicherheitsabstands und direkt am Grab stattfinden. Kein Seelenamt, keine Musik, keine Predigt. Sicher alles kürzer gefasst. Ein kurzer und schneller Abschied?

Kann die Seele so schnell nachkommen und erfassen, dass ein

geliebter Mensch so aus dem Leben gerissen wurde?

Brauchen wir nicht für unsere Trauer gute Worte über den Toten, die unsere Erinnerungen wecken? Brauchen wir nicht auch die anderen Verwandten, Freunde und Nachbarn, die das Andenken allein durch ihr Dasein würdigen?

„Sieh her (spricht der Herr): Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“ Gott erinnert sich stets an uns. Jeder Mensch ist stets vor seinen Augen, denn er hat zu jedem Namen ein Gesicht.

Gebet

Herr Jesus Christus,

deine Beisetzung musste schnell gehen. Viele deiner Jünger wussten sicher nicht einmal, wo dein Grab war.

Wir bringen dir die Trauernden, die sich für ihre Verstorbenen eine würdige Feier wünschen und sie selbst brauchen, um gut Abschied nehmen zu können.

Hilf ihnen, dass ihre Trauer Raum findet und ihre Seelen Ruhe.

Gib ihnen die Zuversicht, dass sie alles für ihre Verstorbenen getan haben. Amen.

Liedvorschlag       Wir sind nur Gast auf Erden               GL 505

                              Zum Paradies                                     GL 515

                              Gott, wir vertraun dir                          GL 506


15. Station Der Herr ist auferstanden 

V        Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A        denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext             Ex 3,13-14

Mose sagte zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?

Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt.

Betrachtung

Ich bin! Das ist Gottes erste Aussage über sich selbst.

Ich bin, das gilt für allen Zeiten, es ist eine Zusage, die Gott macht.

Jesus ist vom Tod auferstanden. Er ist.

Er ist Gott von Gott, wie wir es im großen Glaubensbekenntnis

betend bekennen.

Jesus hat den Tod überwunden, um uns ein für alle Mal zu sagen, dass Gott Leben ist und Leben erschaffen hat und erhält.

Wir verstehen Gott oft nicht. Vielleicht denken wir ihn zu klein,

versuchen ihn mit unseren begrenzten Gedanken zu erfassen.

Viele Menschen haben gerade in den letzten Wochen erfahren, dass Gott nicht nur da ist, wo wir sind, sondern, dass er sich selbst treu ist, was der Kreuzweg Jesu noch einmal ganz deutlich macht.

Gott hat einen Plan mit den Menschen, einen Heilsplan, in den jeder eingebunden ist, und Gott folgt diesem konsequent.

Darauf dürfen wir vertrauen, und wenn wir sehen, dass auch in

dieser großen Krise Zeichen und Wunder geschehen, dann müssen wir bekennen: Gott ist, wo wir sind!

Und deshalb können wir getrost sagen: Wir schaffen das! Mit Gottes Hilfe schaffen wir das!

Gebet

Herr Jesus Christus,

du bist gestorben, weil du Mensch warst. Du bist vom Tod auferstanden, weil du Gott bist und Gott ewiges Leben ist, ohne Anfang und ohne Ende.

Lass uns fest auf dich vertrauen, und gerade in schweren Zeiten, in denen wir uns gottverlassen fühlen.

Wir beten für alle Menschen, die nicht glauben können, dass sie dennoch Heil erfahren.

Wir beten für jene, die keine Zeit haben für das persönliche Gebet, dass sie sich getragen fühlen von der großen Gebetsgemeinschaft und so Kraft finden.

Wir beten für alle, die in dieser Zeit des Kontaktverbotes intensive Kontakte auf anderen Wegen gepflegt haben, dass das Wiedersehen umso herzlicher sein wird und das Miteinander prägt.

Wir beten für alle, die durch die Corona-Krise gebeutelt sind und vor dem persönlichen oder geschäftlichen Ruin stehen, dass sie solidarische Hilfe erfahren.

Wir beten für alle, die noch immer glauben, dass die Krise sie nicht betrifft und sie keine Verantwortung für das Wohl aller tragen. Schenke ihnen Einsicht und ein neues Bewusstsein, das den

Egoismus überwindet und den Nächsten in den Blick nimmt.

Wir beten für unsere Verstorbenen, dass sie in deiner Ewigkeit Frieden und Freude haben.

Wir beten für alle Menschen auf der Welt, ob gläubig oder nicht, egal welcher Religion sie angehören und welche Sprache sie sprechen, dass sie zutiefst fühlen, dass da jemand ist, dass du, Gott, bist. Amen.

Liedvorschlag       Behutsam, leise nimmst du fort         GL 082