Kevelaer Kreuzweg 2019


Kreuzweg in Kevelaer

Leitgedanke für die Wallfahrtszeit 2019:

Herr wohin sollen wir gehen?

Einleitung

Jesus rief Menschen in aller Einfachheit: Folge mir nach!
So viele haben auf diesen Ruf geantwortet,
indem sie den Weg mit ihm gegangen sind.

Nie war ihnen wirklich klar, wohin der Weg führen würde, aber sie vertrauten ihm. Er faszinierte sie. Es war schön, mit Jesus zu gehen, ihn zu erleben, zu ihm zu gehören.

Doch es gab auch die Zweifler und jene, die sich von Jesus abwandten. Sie ahnten schon, dass sein Weg eine Sackgasse war, aus der er nicht herauskommen würde. Da wollten sie nicht mitmachen, das wäre sein und ihr Ruin. So kam es doch letztendlich auch. Am Ende stand das Kreuz.

Der Kreuzweg beschreibt nur einen einzigen Weg, die Via Dolorosa, den Weg der Schmerzen und des Leids.

Wer heute nach Jerusalem pilgert, der will die Via Dolorosa gehen, doch ohne das Kreuz und ohne Dornenkrone, ohne Antreiber und Spötter, ohne Angst und jegliche Last.

Wir fragen auch heute: Herr, wohin sollen wir gehen. Seine Antwort bleibt: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Herr, wir gehen den Kreuzweg nicht wie du ihn gegangen bist.
Doch wir gehen ihn, denn wir wissen:
Du hast Worte ewigen Lebens.
Der Tod hat nicht das letzte Wort.


  1. Station Jesus wird zum Tod verurteilt.

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich

A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext                       Lk 22,33-34

In jener Zeit sagte Petrus zu Jesus: Herr, ich bin bereit,

mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

Jesus erwiderte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.

 

Betrachtung

Weit ab von Leid und Kreuz ist es eher ein Wunschdenken,

einem anderen beizustehen, was auch immer passiert.

Petrus ist da nicht anders.

Als es ernst wird, leugnet er, Jesus zu kennen.

Es ist paradox, dass der Weltenrichter vom weltlichen Gericht verurteilt wird. Welchen Sinn macht das Ganze?

In diesem Augenblick scheint alles sinnlos zu sein,

die Berufung seiner Jünger wie die Jahre, die sie mit ihm zusammen waren – alles sinnlos, denn sie sind alle geflohen.

Gebet

Herr, immer wieder fragen Menschen nach dem Sinn ihres

Daseins und nach dem richtigen Weg.

Herr Jesus, steh jenen bei, die in ihrem Leben, in ihrem Arbeiten und Tun keinen Sinn sehen. Schenke ihnen dein Wort, das sagt: Du bist wertvoll. Ich glaub an dich und bau auf dich.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

  1. Station Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext         Joh 6,68

In jener Zeit sagte Simon Petrus: Herr, zu wem sollen wir

gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Betrachtung

Jesu Worte waren voll Leben.

Seine Reden fanden Anklang, brachten Freude, machten Mut.

Die Jünger waren drei Jahre begeistert an seiner Seite,

die Mengen jubelten ihm zu.

Nun lastet das Kreuz auf Jesu geschundenem Körper.

Allein geht er den Weg, kein Freund, kein Befürworter

an seiner Seite.

Selbst, wenn er noch ein gutes Wort hervorbringen könnte,

es würde von der grölenden Menge geschluckt, die gegen ihn hetzt. Das wird ein sehr einsamer Weg.

Gebet

Herr, viele Menschen gehen allein durchs Leben. Sie fragen: Wer fragt nach mir? Was wird aus mir? Wer sorgt sich um mich?

Auch Paare am Anfang des gemeinsamen Lebensweges

fragen danach, ob ihre Beziehung halten wird oder ob irgendwann die Einsamkeit einzieht, weil man sich auseinandergelebt oder man sich nichts mehr zu sagen hat.

Herr Jesus, schenke ihnen deinen Segen, der Gutes verheißt. Sprich dein Wort voll Liebe und Kraft.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

  1. Station Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext         Mt 13,20-21

Jesus erklärte das Gleichnis vom Sämann:

Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen,

der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt,

aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist;

sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird,

kommt er zu Fall.

Betrachtung

Jesus fällt. Er kann nur sein Kreuz umklammern.

Einen anderen Halt findet er nicht, obwohl der Weg von

Menschen gesäumt ist.

Sicher sind auch einige darunter, die sein Gleichnis vom

Sämann gehört haben, die verständig nickten und nicht verstanden, dass es danach verlangte, sich zu positionieren.

Felsenfest stehen sie nun gegen ihn, denn es steht fest, dass sein Leben nichts mehr wert ist. Wer will denn enden wie er?

Gebet

Herr, was ist heute noch beständig? Welches Wort ist verlässlich?

So viele Menschen sind verunsichert. Ein Wort, heute gesprochen, gilt morgen vielleicht schon nichts mehr.

Ehrenwort besitzt oft keine Ehre.

Herr Jesus, dein Wort ist wahrhaftig und darum beständig. Pflanz es in unsere Herzen mit starken Wurzeln, dass Verunsicherte Halt und Orientierung finden.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

  1. Station Jesus begegnet seiner Mutter

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext        Lk 2,22.25.34-35

Maria und Josef brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

Betrachtung

Maria steht am Kreuzweg. Sie ist untröstlich, denn sie weiß, wohin der Weg führt. Wer das Kreuz einmal genommen hat, der kommt am Kreuz nicht vorbei. Sein Schicksal ist besiegelt.

Auch Marias Schicksal scheint hier besiegelt zu sein. „Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ Wortlos stehen sich Mutter und Sohn gegenüber. Ihre Blicke sagen alles.

Gebet

Herr Jesus Christus, Väter und Mütter sehen ihre Kinder heranwachsen. Sie freuen sich, wenn sie sich gut entwickeln, ihre ersten Worte sprechen, die ersten Schritte gehen. Doch sie wissen auch, wie zerbrechlich dieses Glück sein kann. Immer wieder stellen sie die Frage: Was wird aus unseren Kindern werden? Herr, hilf ihnen, ihre Kinder zu begleiten, ihnen und dem Leben zu vertrauen.

Schenke ihnen dein Wort der Ermutigung.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

  1. Station Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext       Ijob 6,13

Gibt es keine Hilfe mehr für mich, ist mir jede Rettung entschwunden?

Betrachtung

Rettung gibt es nicht für Jesus, sein Weg endet am Kreuz.

Doch Simon von Zyrene wird ein Helfer auf diesem schweren Weg.

Er packt mit an. Freiwillig oder gezwungen, das ist jetzt egal. Simon hat noch mehr Kraft als Jesus. So passt er sich Jesu Schritt an. Reichte seine Hilfe bis hinauf zum Golgatha? Wahrscheinlich haben die beiden kein Wort gewechselt, denn die Last des Kreuzes verbraucht den Atem. Vielleicht blieb Jesus für den Mann aus Zyrene ein Unbekannter, einfach ein armer Kerl, der wie viele andere am Kreuz enden musste.

Gebet

Herr Jesus Christus, Simon ist der Arbeiter, der aus der Ferne kam, vielleicht ein Gastarbeiter, der von seinen Wurzeln abgeschnitten ist, nicht weiß, wohin er eigentlich gehört, wie es so viele überall auf der Welt gibt. Sie suchen Arbeit, um ihre Familien zu ernähren, um sich eine Existenz aufzubauen. In der Fremde suchen sie ihr Glück, und fragen nach dem, was wirklich zählt. Herr, schenke ihnen, dass die Fremde ihnen Heimat werden kann, in der sie nicht als Fremde behandelt werden. Schenke ihnen dein Wort, das sie Freund und Freundin nennt.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

  1. Station Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Ex 3,6

Gott sprach zu Mose aus dem Dornbusch: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.

Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Betrachtung

In Jesus hat Gott sich ins Gesicht schauen lassen. Doch war es das Gesicht eines Menschen, das die einen schön und andere abstoßend fanden. Seine Worte, die er nicht nur dahinredete, sondern selbst lebte, die Güte in seinen Augen und die Liebe in seinen Taten, sie zeigten Gottes Gesicht. Auf dem Kreuzweg haben das nicht mehr viele gesehen. Veronika erkannte ihren Herrn. Ihr Name bedeutet „Das wahre Gesicht“. Das hinterließ Jesus in dem Tuch, das ihm Veronika aus Güte, Mitleid und Liebe reichte.

Gebet

Herr Jesus Christus, manche Menschen sind offen wie ein Buch, in dem man lesen kann. Da ist Offenheit und Ehrlichkeit. Andere haben das falsche Gesicht. Nach vorne reden sie, wie es dem Gegenüber schmeichelt, nach hinten heraus ist Lüge, Verleugnung und Verrat. Soziale Plattformen im Internet werden für asoziales Verhalten genutzt. Menschen suchen Freundschaft und werden oft enttäuscht. Herr, gib Mut zur Ehrlichkeit in Beziehungen. Sei du die Kraft, wenn Freundschaften auf die Probe gestellt werden. Schenke dein Wort, das aufrichtet, das auch von Verzeihung und Versöhnung spricht. Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

  1. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Mt 16,15-18

Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

 

Betrachtung

Jesus spricht vom Aufbau der Kirche, doch er fällt tief und schwer.

Petrus, der Fels, auf den er baut, ist nicht bei ihm. Ganz menschlich war seine Angst, die ihn verleugnen und fliehen ließ. Welche Mächte sind hier am Werk? Die der Unterwelt drücken Jesus zu Boden und wollen ihn nicht aufstehen lassen. Wie hätte da Kirche entstehen können? Mit der Kraft des Himmels steht er auf und geht weiter.

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast in deiner Kirche auf Menschen gebaut, die menschlich stark und auch schwach sein können. Es gibt so viel Gutes, wo Menschen in der Kirche Halt finden. Aber es gibt auch so viel Leid und verlorenes Vertrauen durch sexuellen Missbrauch, durch Vertuschung und falschen Umgang mit Opfern und Tätern. Herr, stärke jedes gute Engagement in der Kirche. Sei den Opfern nahe und gib den Tätern Einsicht des begangenen Unrechts.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

  1. Station Jesus begegnet den weinenden Frauen

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.


Schrifttext        Mt 11,25

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

Betrachtung

Jesus hatte jene Menschen seliggepriesen, die in aller Einfachheit sein Wort angenommen hatten. Immer wieder hatte er Kinder in die Mitte gestellt und sich an ihrer Offenheit, ihrem Vertrauen und ihrem kindlichen und unvoreingenommenen Verständnis von Gott gefreut.

Nun stehen Frauen mit ihren Kindern am Weg und weinen. Jesus nimmt im eigenen Leid ihre Anliegen, Fragen und Sehnsüchte wahr.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, viele Kinder wachsen unbeschwert und behütet in ihren Familien auf, doch es gibt so viele, die den Schutz der Familie nicht kennen, auch bei uns. Sie verwahrlosen, sind körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt ausgesetzt. Kinder werden verkauft, müssen in Fabriken über ihre Kräfte arbeiten, sie hungern und suchen Nahrung und Kleidung in den Müllhalden der Reichen. Herr, Kinder schreien nach Gerechtigkeit und Sicherheit. Stärke jedes Engagement für Kinder in Not. Hilf den Familien, dass sie der Ort sind, wo Kinder Geborgenheit, Liebe und Respekt erfahren und wo Glaube gemeinsam gelebt wird. Herr, schenke dein Wort voll Güte und Liebe. Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

 

  1. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext        Ps 71,5.9

Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, meine Hoffnung von Jugend auf. Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, verlass mich nicht,

wenn meine Kräfte schwinden.

Betrachtung

Sein Leben lang war Jesus in der Verbindung mit dem Vater, hatte auf ihn gebaut und sich in seinem Reden und Handeln von Gott bestärken lassen. Jetzt stürzt er ein drittes Mal. Das Kreuz erdrückt ihn fast. Hat Gott ihn verlassen? Seine Freunde, die Menschen, die ihm zugejubelt, denen er geholfen und Gottes gutes Wort verkündet hatte, sie haben ihn verlassen. Die Freude und Freundschaft früherer Zeiten ist nicht mehr.

Gebet

Herr Jesus Christus, du wurdest von der Last des Kreuzes niedergedrückt. Auf vielen alten Menschen lasten die Jahre voll Arbeit und Sorge, die Erinnerungen an die Kriegsjahre mit ihren Schrecken und Entbehrungen, aber auch Krankheiten und Gebrechen. Manche nehmen bewusst wahr, wenn sie dement werden, und das macht ihnen Angst. Das bedrückt sie wie dich die Last des Kreuzes niedergedrückt hat. Herr, lass alte Menschen nie den Respekt von Jüngeren verlieren. Schenke ihnen dein Wort, das ihnen sagt: Du bist wertvoll in der Blüte und Kraft deiner Jahre wie im Alter und in der Schwäche, in Gesundheit und in Krankheit.

Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

 

  1. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext          Mt 9,20-21

Da trat eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt, von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes; denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.

Betrachtung

Der Saum von Jesu Gewand war eine Kraftquelle für die kranke Frau. Um ihn zu berühren, musste sie sich tief beugen oder gar auf die Knie gehen. Das war es ihr wert, und sie wurde gesund. Auf dem Golgatha ziehen die Soldaten Jesus das Gewand aus. Den Wert erkennen sie nicht als Glaubende und Vertrauende. Sie schätzen den Wert mit Blick auf den Geldbeutel.

Gebet

Herr Jesus Christus, was ist wertvoll? Ist es das, mit dem man viel Geld machen kann? Menschen arbeiten, streben nach Posten und Ansehen, Karriere und Reichtum. Andere machen sich nichts aus Geld und Besitz, sondern setzen auf Beziehungen und auf alles, was das Herz füllen kann: Freude, Liebe, Glück, Zufriedenheit, Glauben. Sie brauchen keine Marken- oder Designerklamotten, müssen nicht durch Outfit oder Besitz auffallen. Viele fragen danach, wie sie mit ihrem Leben das Leben anderer reicher machen können. Herr lass sie nicht aufhören, das Wohl anderer in den Blick zu nehmen. Schenke dein Wort, das mehr wert ist als alle Reichtümer der Erde. Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

 

  1. Station Jesus wird an das Kreuz angenagelt

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext          Lk 4,18

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.

Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze.

Betrachtung

Jesus hatte so viele Menschen freigemacht. Er heilte sie von Krankheiten und Gebrechen, die sie von der Gesellschaft ausschlossen. Anderen hat er ihre Sünden vergeben, dass sie neu auflebten. Nicht zuletzt hat er Menschen von einem viel zu engen Glauben befreit. Jesus wird ans Kreuz angenagelt, damit er niemanden mehr befreien kann. Sollte diese Rechnung aufgehen?

Gebet

Herr Jesus Christus, auch heute sind Menschen gefangen,

eingekerkert in den Gefängnissen dieser Welt, und sie sehnen sich nach Befreiung. Manchmal ist es Willkür, dass Menschen verhaftet werden. Irgendwem sind sie im Weg, passen ihre Lebensweise, ihr Glaube oder die politische Ansicht nicht. Sie werden dingfest gemacht. Werden sie irgendwann wieder freikommen? Herr, hilf, dass die zu Unrecht Verurteilten entlassen werden, dass Willkür und Korruption aufhören und niemand mehr fürchten muss, in Gefängnissen zu verschwinden. Schenke den Gefangenen deine befreiende Botschaft. Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

 

  1. Station Jesus stirbt am Kreuz

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext        Offb 14,13

Ich hörte eine Stimme vom Himmel her rufen: Schreibe! Selig die Toten, die im Herrn sterben, von jetzt an; ja, spricht der Geist, sie sollen ausruhen von ihren Mühen.

Betrachtung

Alles ist vorbei. Jesus stirbt am Kreuz. Vorbei die Schmerzen, vorbei die Lasten – alles vorbei. Die Schreie der Gekreuzigten verstummen, ebenso die Menge, die dem Schauspiel zugesehen hat. Die Soldaten warten darauf, nach Hause gehen zu können. Jesus ist tot.

Endlich Ruhe, endlich ausruhen.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, es gibt Menschen, die nach einem langen Leben den Tod herbeisehnen und gelassen auf ihn warten. Andere würden gerne sterben, doch hängen sie an Apparaten, die sie beatmen, den Herzschlag regulieren, das Blut reinigen und Medikamente in sie hineinpumpen, um sie ja am Leben zu halten. Herr, was ist der Sinn des Lebens? Es gibt eine Zeit, geboren zu werden und für manche keine Erlaubnis zu sterben. Herr, hilf Angehörigen von Totkranken, dass sie loslassen und das Sterben akzeptieren.

Schenke den Sterbenden, dass sie in der Hoffnung auf dich in Frieden diese Erde verlassen können. Sprich dein Wort von Auferstehung. Du, Herr, hast Worte ewigen Lebens. Amen.

 

 

 

  1. Station Jesus wird vom Kreuz abgenommen

                            und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

 

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Tob 2,6

Ich erinnerte mich an das Wort des Propheten Amos: Eure Feste sollen sich in Trauer verwandeln und alle eure Freudenlieder in

Totenklage. Und ich begann zu weinen.

Betrachtung

Maria nimmt den Leichnam Jesu in den Arm und hüllt ihn in ihren

Umhang, als könnte sie ihn noch schützen. Vielleicht bewegen Erinnerungen ihr Herz, Erinnerungen an seine Kindheit, als er in ihrem Umhang Geborgenheit suchte. Vielleicht denkt sie an die Zeiten, in denen Jesus ihr viel Freude bereitet hat oder an solche, in denen sie schon ahnte, dass er die geistige Führung des Volkes gegen sich aufbringen würde. Das Wiegenlied, das sie ihm einst sang wird zum Trauerlied. Hat sie noch Tränen, die sie weinen kann?

Gebet

Herr Jesus Christus, wie Maria bewegen manche Menschen alles, was sie nicht verstehen in ihrem Herzen und vertrauen darauf, dass ihnen eines Tages klar sein wird, warum Manches passiert. Aber manchmal ist der Schmerz zu groß, das Herz so sehr mit Trauer

gefüllt, dass sie an dir und deiner Güte zweifeln. Sie fragen: Wo bist du, Gott? Herr, bleibe treu an ihrer Seite. Schenke jenen, die vor lauter Schmerz und Trauer verzweifeln, behutsame Begleiter, die auch für sie weinen. Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

 

  1. Station Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab

                            gelegt

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Schrifttext          Koh 12,5

Ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden

ziehen durch die Straßen –

Betrachtung

Jesu Leichnam wird dem Grab übergeben, der letzten Ruhestätte, dem ewigen Haus. Doch die Klage seiner Freunde ist verstummt.

Es ist ein stiller Abschied, ein Abschied für immer?

Gebet

Herr Jesus Christus, ganz unterschiedlich sind Beerdigungen.

Manche sind ganz anonym, niemand erfährt davon. Der Mensch ist irgendwie einfach weg, keine Gedenkstätte erinnert mehr an ihn.

Bei anderen gibt es eine Trauerfeier mit vielen Erinnerungen an den Verstorbenen. Herr, du verheißt Leben über den Tod hinaus. Schenke jenen, die zurückbleiben, den Glauben daran, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Sprich du dein Wort, das Trost spendet. Du, Herr, hast Worte des Lebens. Amen.

 

 

 

 

 

  1. Station Der Herr ist auferstanden

 

V         Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A         denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext                Joh 6,63-69

In jener Zeit sprach Jesus: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe,

sind Geist und sind Leben.

Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.

Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren,

die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.

Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:

Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?

Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen?

Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast Worte ewigen Lebens, deshalb wollen wir zu dir gehen, zu keinem anderen.

Gib uns dein Wort, das uns berührt und uns weiterhilft.

Gib uns dein Wort, das aufbaut, wenn wir am Boden zerstört sind und nicht mehr weiterwissen.

Gib uns dein Wort, das auch unsere Freude nur größer macht.

Gib uns dein Wort, das uns befähigt, über dich zu sprechen,

andere zu begeistern.

Sprich zu uns dein Wort, und sprich es durch uns in die Welt.

Du, Herr, hast Worte ewigen Lebens. Amen.