Herzlich willkommen auf dem Großen Kreuzweg
Wer die 1,2 Kilometer lange Allee betritt, der tritt in eine andere Welt ein. Je nach Jahreszeit verändert der Kreuzweg sein Gesicht. Immer aber öffnet er seinen Besucherinnen und Besuchern besondere Momente. Inmitten der Stadt ist auf einmal Raum für Ruhe und Stille, Innehalten und Kraftschöpfen. Aber auch für das Gebet.
Die 14 beeindruckenden Stationen aus dem Jahr 1874 laden zur Betrachtung des Leidensweges Jesu ein. Jede Station stellt aber auch wichtige Fragen, die uns und unser Leben konkret betreffen.
Durch die Schulte Staade-Stiftung konnten an jeder einzelnen Station Stelen errichtet werden, die zum tieferen Betrachten und Nachdenken einladen. Weitere Gedanken sind an jeder Kreuzwegstation per QR-Code abrufbar.
Ob Sie nun als Beterin und Beter kommen, oder einfach Ruhe und Stille suchen: Schön, dass Sie da sind.
Der Kreuzweg endet vor der Schutzmantelmadonna im Marienpark.
Wenn Sie die Impulse und Gebete zum Kreuzweg (in deutscher, niederländischer und englischer Sprache) in Ruhe noch einmal nachlesen möchten, dann ist hier dazu Gelegenheit.
Einzelne Stationen
Die einzelnen Stationen des Kreuzweges
1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt
URTEIL (Mt 27,11-26)
Jesus wird zum Tode verurteilt. Das Urteil geht ans Ganze. Es geht um Leben und Tod. Jesus, der so oft bei den Menschen dem Leben einen Dienst erwies, er wird nun den Tod erleiden. Ungerecht.
Aus Angst vor ihm? Vor seinen Taten? Vor seiner Macht der Liebe? Es bleiben viele Fragen: Nach Recht und Gerechtigkeit. Sie bleiben unbeantwortet. Es wird ein Urteil über ihn gesprochen.
Weitere Gedanken:
Gott, Herr des Lebens. Über Jesus, deinen Sohn, ist das Urteil gesprochen worden. Oft sehen wir uns mit solchen Urteilen konfrontiert. In unserem eigenen Leben und in der Welt. Hilf uns, dass wir uns einsetzen für Recht und Gerechtigkeit. Hilf uns den Nächsten verstehen zu wollen. Hilf uns den Weg des Lebens zu wählen. Für uns und diese, deine Welt.
2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
LAST AUFERLEGT (Mt 27,27-31)
Das Kreuz wird ihm nicht nur zum Todeswerkzeug. Jesus muss es tragen. Mit diesem Kreuz legt man ihm die Lasten der Welt auf die Schultern. All das Ungeklärte. Das versteckte Leid so vieler Menschen. Die Sorgen und Ängste. Die Kriege und Konflikte. Jesus trägt es. Für uns und für die Idee einer Welt, in der Menschen einander Lasten abnehmen und nicht auferlegen.
Weitere Gedanken:
Wenn uns Lasten auferlegt werden, Herr, lass es uns zaghaft versuchen. Das Annehmen. Das Aushalten. Lass uns das Lösen versuchen. Lass uns schwere Wege nicht grundsätzlich umgehen. Hilf uns doch: In all dem Belastenden das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
FALLEN
Jesus fällt unter dem Kreuz. Als würde er sagen: Diese Last erschlägt. Es gibt sie: Situationen, in denen wir überfordert sind und in die Knie gehen. Lasten können überfordern. Sie können Kräfte mindern und sogar kraftlos machen. Jesus ist davon nicht ausgenommen. Er ist und bleibt zwar „wahrer Gott“. Aber mit aller Konsequenz auch Mensch. Mit seinen Grenzen.
Weitere Gedanken:
In den Überforderungen unserer Tage.
In den Grenzen unserer Möglichkeiten.
Im Scheitern.
Im Fallen.
Gott, sei da! Verlass uns nicht!
Um diese Kraft bitten wir.
4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
BEGEGNUNG
Jesus begegnet seiner Mutter. Dieses Bild berührt. Sie hat ihm das Leben geschenkt und die Zukunft. Nun begegnet die Mutter dem Sohn. Der Weg ist vorgezeichnet. Wer kann das ertragen? Das Scheitern so hautnah an sich heranzulassen. Mit der Trauer um Jesus trauert Maria um die Zukunft. Es geht um das Ganze. Es geht um das Leben in Fülle.
Weitere Gedanken:
Wir begegnen vielem mit Ohnmacht, Gott. Hilflos und ohne Perspektive wissen wir nicht, wie der Weg in die Zukunft aussehen soll und kann. In so vielen Menschen, an so vielen Orten werden Menschen dieser Zukunft beraubt. Hilf uns Wege zu suchen, die mehr ermöglichen als verhindern. Wege, die Raum öffnen.
5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
HELFER (Mt 27,32)
Simon war unbeteiligt, aber ansprechbar. So wird er zum not-wendigen Helfer. Er entlastet. Er trägt mit. So wird Jesus, der eigentliche Helfer, zum Hilfsbedürftigen. Simon war nötig und er war bereit.
Weitere Gedanken:
Wenn wir, guter Gott, unser Licht unter den Scheffel stellen, dann sagen wir schnell: „Das kann ich nicht!“ – „Das überfordert mich!“. Wir wollen glauben und hoffen: Du willst und brauchst uns nicht perfekt. Du brauchst uns bereit. Hilf uns zu prüfen, wo unsere Hilfe von Nöten ist. Darum bitten wir!
6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
LINDERUNG
Das Schweißtuch der Veronika wischt nicht alles weg. Auch nach der Begegnung zwischen Jesus und ihr bleiben Leiden und Überforderung. Das Tuch versucht zu lindern. Das zu tun und zu leisten, was möglich ist. Mit dem ersten Blick: zu wenig. Mit dem Blick der Liebe: unendlich viel. Dieses Tuch saugt für den Moment alle Überforderung, alles Verzweifeln, alles Leiden auf.
Weitere Gedanken:
Das Tuch zu finden, welches uns hilft, dem Menschen an unserer Seite Trost zu spenden. Dabei hilf uns. Dieses Tuch heißt Mitgefühl. Es heißt Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Nachsicht. Es hat viele Namen, dieses Tuch. Gott, wir wollen es suchen und versuchen.
7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
FALLEN 2.0
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz. Er fällt erschöpfter. Er fällt mutloser. Er fällt kraftloser. Es gibt diese Momente, in denen man erkennt: Auch Leid kann größer werden. Was Jesus erfährt, ist das Leid so vieler Menschen an so vielen Orten dieser Erde. In diesem Moment hilft nichts. Fallen. Nur das Fallen ist möglich.
Weitere Gedanken:
Was am Boden liegt. In uns, dieser Welt, unseren Kirchen. Was am Boden liegt. Das hilf uns anzusehen. Hilf du uns, Gott, nicht wegzusehen. Hilf zu erkennen, wo wir hier am Ende zu sein scheinen. Bleib uns nahe. Auch am Boden unserer Tatsachen. Auch im Schmerz.
8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen
KLAGEN (Lk 23,27-31)
Jesus begegnet den weinenden Frauen. Sie sind Platzhalter. Für jede und jeden von uns. Sie zeigen: Tränen sind erlaubt. Schwäche ist erlaubt.
In einer Welt der Starken und Schnellen, der Makellosen und Erfolgreichen setzen diese Frauen ihre Tränen, ihr Weinen, ihre Schwäche entgegen. Und das, das ist stark. In aller Schwäche!
Weitere Gedanken:
Gib uns Mut, Gott. Zu unseren Grenzen zu stehen. Zu unserer Überforderung und dem Unvermögen, das manchmal mit uns geht. In dieser Schwäche sende uns Kraft und Stärke. Mit Dir ist vieles möglich für den, der auf dich setzt. Das du uns dann siehst, darum bitten wir.
9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
FALLEN 3.0
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz. Dieses Fallen ist kaum zu ertragen. Es fehlen die Worte. Hier geht es über die menschlichen Kräfte hinaus. Es bleibt das Mitleid. Für ihn und alle Menschen, die über ihre Kräfte belastet sind.
Weitere Gedanken:
Wo keine Worte sind, lass uns Schweigen Gott.
Sprachlos sein.
An der Seite derer, die nicht mehr können.
Auch hier.
Vielleicht eine Minute.
Stille. Für all die Überforderung auf dieser Welt.
10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt
NACKT (Mt 27,35)
Jesus wird seiner Kleider beraubt. Nackt. Würdelos. Ausgeliefert. So steht er vor seinen Peinigern. Er stellt uns vor Augen, wie diese Welt auch sein kann. Ohne Respekt. Ohne Wertschätzung. Ohne Schutz.
Weitere Gedanken:
Lass uns eintreten für die Würde aller Menschen. Lass uns einstehen für die Rechte der Menschheit. Für die Toleranz und die Freiheit. Gott: Wie viele Menschen stehen würdelos da in dieser Welt? Wir sollen in dieser Welt die Stimme erheben für alle, die nicht die Möglichkeiten dazu haben.
11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt
ANGENAGELT (Lk 23,33-43)
Jesus wird ans Kreuz genagelt. Festgesetzt. Fixiert. Bewegungslos. Handlungsunfähig. Seine Botschaft wurde zur Gefahr. Nun hat man ihn aufs Kreuz gelegt. Mit ihm scheinbar auch seine Überzeugungen: Die Liebe, bedingungslos und immer. Die Freiheit, für jede und jeden. Das Leben in Fülle. Aufs Kreuz gelegt! Aufs Kreuz gelegt?
Weitere Gedanken:
Gott. Wir wollen uns nicht regungslos machen lassen. Nicht, wenn es um das Projekt Leben geht. Wenn uns die Hände gebunden scheinen. Wenn uns Wege versperrt sind. Wenn uns Türen verschlossen bleiben. Gerade dann: Sei der Gott, der am Ende die Fesseln löst.
12. Station: Jesus stirbt am Kreuz
STERBEN (Mt 27,45-51,54)
Jesus stirbt am Kreuz. Das Ende eines Lebens. Das Ende einer Mission. Das Ende!
Ist da noch irgendetwas möglich? Ist in diesem Leid Hoffnung denkbar?
Er hängt zwischen Himmel und Erde.
Kaum auszuhalten.
Weitere Gedanken:
Das Kreuz deines Sohnes, Gott, durchkreuzt unsere Welt. Die Kriege und Konflikte. Die Krankheiten und Sorgen. Den Hass und die Gewalt. Dieses Kreuz der Gewalt und des Todes durchkreuzt unsere heile Welt.
Aber: Es verbindet Himmel und Erde und uns. Mit ausgestreckten Armen!
13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
GETRAGEN (Joh 19,38)
Jesus wird in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt. Wie damals im Stall von Bethlehem trägt sie ihren Sohn. Sie hält ihn uns entgegen. Zwei Mal zeigt sie uns den Gott des Lebens in der Schwäche. An Weihnachten: als wehrloses Baby. Am Karfreitag: als geschundener und gezeichneter Leichnam.
Weitere Gedanken:
Guter Gott, du bleibst verletzbar in unseren Tagen. Du bleibst gefährdet, bis in unsere Tage. Du warst, bist und bleibst kein Gott der Stärke. Du und Deine Idee für uns Menschen. Beide bleibt verwundbar. Das müssen wir ertragen und es wird uns tragen.
14. Station: Jesus wird in das Grab gelegt
BEGRABEN (Mt 27,57-66)
Jesus wird ins Grab gelegt. Hier endet sein Weg. Ein großer Stein verschließt sein Grab und scheint ein letzter Schlusspunkt. Den Menschen scheint der letzte Dienst zu bleiben: Die Grab-Pflege. Dieser Stein kann durch keine Menschenmacht mehr bewegt werden. Diesem Tod haben wir ins Auge zu blicken. Aber: wer weiß, was Gott noch vorhat. In all dem Scheitern und Sterben, da liegt noch Hoffnung. Wenig. Aber göttliche Hoffnung! Das tröstet.
Weitere Gedanken:
Wenn wir uns, o Gott, am Stein versammeln. Dem Stein, der alles Tote verschlossen halten will. Dann fang du an, wir bitten dich leise, dieses Osterfest für uns vorzubereiten. Still und leise. In aller Trauer. In allem Schmerz.
Wir erhoffen. Wir wünschen. Wir ersehnen.
Das Licht des Ostermorgens.
Trotz-dem!
Das Ende? - Nein. Der Anfang!
Auf dem Kreuzweg Jesu werden wir mit Schmerz, Verzweiflung, Trauer, Angst und am Ende mit dem Tod konfrontiert. Auch im Heute machen wir in der Welt und auch in uns selbst immer wieder die eine Erfahrung: Es gibt Traurigkeiten, Schmerzen und Sorgen, die einfach nicht heilen. Und dann der Blick auf Jona. Das Alte Testament erzählt uns seine Geschichte. Am Ende wird er - bei lebendigem Leib - von einem Wal verschluckt. Nach drei Tagen, so geht die Geschichte weiter, gibt dieser Wal ihn wieder frei. Schon Jahrhunderte vor Jesus gilt daher: Gott lässt niemanden in Tod und Untergang. Auf allen Kreuzwegen unserer Welt scheint am Ende ein unlöschbares Lebenslicht auf. Gott ist ein Freund des Lebens. Lebenslänglich ... und darüber hinaus.
Schutzmantelmadonna
In Kevelaer begegnen wir Maria, der Mutter Jesu, auf dem Kapellenplatz in einem kleinen Bild. Überschrieben ist es mit „Trösterin der Betrübten“. Trost ist keine Heilung. Trost ist der Moment, in dem wir mitten in Leid und Trauer die Hoffnung in uns wieder entdecken. Am Ende des Kreuzweges steht sie groß und monumental hier im Marienpark: Die Schutzmantelmadonna.
Wenn wir auf sie blicken, hält sie für uns die Verbindung zum Kapellenplatz und zum kleinen Bildchen in der Gnadenkapelle aufrecht. Ihr Mantel ist weit und bietet Platz für uns. Schutz für uns Menschen mit allen Sorgen und Anliegen.
Weitere Gedanken:
Maria, in Kevelaer finden wir dich als die Trösterin der Betrübten.
Dieser Trost ist keine Vertröstung.
Dieser Trost ist kein „billiger Trost“.
Dieser Trost gibt Hoffnung und Zuversicht.
Wir brauchen dieses Trostpflaster unseres Glaubens.
In aller Sorge und Not unserer Zeit.
In unserem Leben.
Wir sind nicht zur Trostlosigkeit bestimmt.
Unter Gottes Schutz und dem Mantel Mariens sind wir „noch bei Trost“.