Sankt Hubertus-Kapelle zu Keylaer
Inmitten von Feldern an dem Weg von Weeze nach Kevelaer liegt die Hubertuskapelle zu Keylaer. Sie ist Mittelpunkt der Bauernschaft Keylaer die zur Pfarrgemeinde St. Marien gehört. Die Kapelle ist das älteste Bauwerk von Kevelaer. Sie wurde Ende des 14. Jahrhunderts erbaut und ist bis heute in Ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben.
Sie ist ein stiller Gebetsort und gleichzeitig für viele Wallfahrtsgruppen eine Station auf Ihrem Weg nach Kevelaer. Selbst der apostolische Nuntius für Deutschland Nikola Eterovic begann im Jahr 2014 seine Pilgerfahrt nach Kevelaer in der Hubertuskapelle. Auch beim Einzug eines neuen Pastors in Kevelaer ist die Hubertuskapelle der Ausgangspunkt für den Einzug in die neue Pfarrei.
Heute wird die Kapelle liebevoll gepflegt von den Anwohnern von Keylaer und der St. Hubertus-Gilde Keylaer. Bei der Hubertuskirmes bildet Sie den Mittelpunkt für das Patronatsfest und das Totengedenken der Gilde, zum Erntedankfest danken die Keylaerer hier mit einem Gottesdienst für die Ernte und Anfang August mit Blick auf Maria Himmelfahrt werden hier die Kräuter geweiht.
Die Kapelle ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet und lädt alle Vorbeikommenden ein zu einem Gebet in einer Jahrhunderte alten Umgebung.
Baugeschichte
Baugeschichte (Teil 1)
Wann genau die Kapelle in der heute noch erhaltenen Form gebaut wurde, kann leider nicht mehr ermittelt werden. Die Experten vermuten das ausgehende 14. bzw. den Anfang des 15. Jahrhunderts. Wenn dies so richtig ist, dann ist auch ziemlich sicher, dass diese Kapelle einen Vorgängerbau hatte, denn bereits 1302 wird in einer Urkunde des Klosters Graefenthal erwähnt, dass aus einem in Keylaer erworbenen Hof Abgaben zu leisten sind an die Kapelle zu Keylaer.[1] Dies wird auch belegt durch die bei einer Renovierung des Bodens der Kapelle im Jahr 1968 durchgeführten Grabungen. Man fand neben dem bestehenden Altarfundament ein weiteres Fundament. Dies könnte von einem Heiligenhäuschen stammen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich hierbei ebenfalls um ein Altarfundament handelt, da bei der Grabung auch eine Altarplatte gefunden wurde. Diese wurde bei einer Renovierung in Jahr 1968 für den heutigen Altar verwendet. Laut einem Zeitungsbericht war auf dieser Platte die Jahreszahl 1139 zu erkennen[2], dafür gibt es aber leider keine weiteren Belege. Günther Binding beschreibt die Ergebnisse dieser Grabung ausführlich in den Beiträgen zur Archäologie des Mittelalters, mit einer Zeichnung dokumentiert er auch die Lage der Fundamente[3]. Der Vorgängerbau hat also möglicherweise zu großen Teilen aus Holz bestanden hat.
[1] Dr. Robert Scholten: Das Cistercienserinnen-Kloster Grafenthal oder Vallis comitis zu Asperden im Kreise Kleve, Kleve 1899, Nachdruck Historischer Verein für Geldern und Umgegend, Seite 149 ff. und Urk. Nr. 87 und Zinsregister Zinsbuch, fol. 197
[2] Bericht der Rheinischen Post vom 17. Februar 1968
[3] Günther Binding, Beiträge zu Archäologie des Mittelalters II, Bonn 1971, Seite 26 ff.
Baugeschichte (Teil 2)
Die Kapelle in ihrer heutigen Form dürfte bereits im Jahr 1432 hier gestanden haben, denn aus diesem Jahr stammt die erste Glocke der Kapelle. Diese Glocke wurde bei der Abpfarrung von Kevelaer und Keylaer von der Muttergemeinde in Weeze an die damalige Antoniuskapelle abgegeben.[4] Bereits im Jahr 1477 wurde für die Hubertuskapelle eine neue Glocke angefertigt. Diese wurde von dem Meister Jacob van Venrade gegossen. Die Aufschrift der Glocke belegt zugleich das Hubertus-Patrozinium der Kapelle.
Man kann erkennen, dass der Turm für sich steht, und der vordere (westliche) Abschluss des Langhauses an den Turm angesetzt wurde. Dies ist sowohl von innen (auf dem Dachboden) als auch von außen deutlich zu erkennen. Die Abschlusswand ist nicht mit dem Turm verzahnt. Der Turm steht auf dem Dachboden gegenüber der Abschlusswand vor. Weiterhin fällt auf, dass es unter dem ersten Fenster auf der linken Seite so aussieht, als wenn es dort einmal einen Eingang gegeben hat. Unter dem Fenster erkennt man eine nachträglich zugemauerte Öffnung.
Zu jener Zeit zog sich der Bau einer solchen Kirche über einige Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte hin. Daher erscheint folgendes Szenario denkbar: Die Kirche wurde von Anfang an mit einem Turm geplant, zunächst aber errichtete man das Langhaus, da wahrscheinlich der Vorgängerbau abgebrannt war. Da man plante, den Turm noch zu bauen, errichtete man an der vorderen Seite jedoch keine Giebelwand, daher musste der erste Binder auch direkt am Ende des Langhauses gesetzt werden, damit man eine Auflage für die Pfetten hatte. Die Wand wurde provisorisch, möglicherweise mit einer einfachen Holzkonstruktion verschlossen. Der Seiteneingang wurde notwendig, da man während der Bauzeit des Turmes sonst keinen Zugang zur Kirche gehabt hätte. So hatte man Zeit den Turm zu bauen und konnte durch den seitlichen Eingang doch in die Kirche. Als dieser Seiteneingang dann nicht mehr gebraucht wurde, wurde er zugemauert. Wenn man nun davon ausgeht, dass die Kirche 1432 mit Turm fertig war, dürfte der Bau des Langhauses in den Anfang des 15. Jahrhunderts bzw. das Ende des 14. Jahrhunderts fallen, die Kirche wäre also in dieser Form mehr als 600 Jahre alt.
Die Kapelle und zwei benachbarte Bauernhäuser waren zu dieser Zeit von einer Schanze umgeben, diese Schanze ist in alten Flurkarte noch verzeichnet und wurde erst um das Jahr 1905 herum entfernt. Der heute bei der Kapelle noch vorhandene Hof trägt den Namen Schanzhof und die Bewohner werden liebevoll die Schänzer genannt.
[4] Ludwig Freudenhammer, Unsere Glocken in Sankt Antonius Kevelaer Dokumentation 1472–2000, Kevelaer 2000, Seite 50 ff.
Weitere Informationen (Teil 1)
Zur Zeit der Abpfarrung von Weeze wurde in der Hubertuskapelle zweimal in der Woche Gottesdienste gefeiert. Im November am Hubertustag feierte die Hubertusgilde hier ihr Patronatsfest und am Tag danach eine Gedenkmesse für die „afgestorve Gilde-Broeders“. Eine Tradition, die mit alten Dokumente belegt ist und auch heute noch aufrechterhalten wird. Die Ausstattung der Kirche war eher bescheiden. Bis zu einer großen Renovierung im Jahr 1968 hatte die Kirche einen Hochaltar mit einem hölzernen Aufsatz. Dieser und auch das ursprüngliche Mobiliar waren allerdings durch Alter und Kriegseinflüsse bedingt nicht mehr zu verwenden. Allein die Altarplatte fand später noch eine Wiederverwendung in der Hauskapelle des Priesterhauses. Zur Ausstattung gehörten auch vier Heiligenfiguren, dies waren ein Hubertus, eine Maria, ein Josef und ein Franziskus. Allein die Hubertusfigur wurde nach der Renovierung wieder in der Kapelle aufgestellt, die anderen Figuren fanden ihren Weg ins Priesterhaus. Die Marienfigur steht heute am Altar der Marienbasilika, die Josefsfigur hat ihre Heimat in der Kerzenkapelle gefunden. Die Hubertusfigur wurde zusammen mit einem Glasfenster bei einem Einbruch-Diebstahl im Jahr 1980 entwendet. Über den Verbleib der Franziskus-Figur ist nichts bekannt.
In den Tagebüchern des ehemaligen Kevelaerer Pastors Johann Heinrich Krickelberg findet sich die folgende Eintragung: Am 23. Oktober 1829 erhielt der Pastor von dem Rector Daniels eine Reliquie des hl. Hubertus geschenkt, welche er selbst im Jahre 1826 aus Rom mitgebracht und deren Ausstellung zur öffentlichen Verehrung der Hochwürdigste Herr Bischof am 16. Juni erlaubt hatte.[5] So wurde diese im gleichen Jahr beim Gottesdienst am Hubertustag zum ersten Mal ausgestellt. Diese Reliquie ist auch heute zu den Messen am Patronatstag in der Hubertuskapelle anwesend und wird in der Sakristei der Basilika aufbewahrt.
[5] Janssen, Krickelberg, Anm. 15, Seite 253
Weitere Informationen (Teil 2)
Heutzutage ist die Ausstattung der Kapelle eher schlicht. Da die Kapelle immer geöffnet und nicht unter ständiger Aufsicht ist, ist es problematisch dort Figuren oder andere Schmuckstücke aufzustellen. 1968 wurde zunächst ein modernes Altarkreuz über dem Altar angebracht, der Stein in der Mitte war ursprünglich ein großer Rosenquarz, doch auch dieser wurde bei dem Einbruch im Jahr 1980 entwendet. Er wurde dann später durch einen Amethyst ersetzt. Das Kreuz befindet sich heute als Wandkreuz im Turm. Seit 1986 hängt an der hinteren linken Chorwand ein großes Holzkreuz. Dieses wurde von Pastor Schulte Staade für die Kapelle zur Verfügung gestellt. Es gehört nicht zur ursprünglichen Ausstattung, passt aber in seiner Schlichtheit sehr gut zur übrigen Ausstattung der Kapelle und konnte fest an die Wand montiert werden. Seit 1990 verfügt die Kapelle auch über ein eigenes Musikinstrument. Ein von der Familie Werner Zumkley gestiftetes Harmonium wurde in der Hubertuskapelle in Betrieb genommen. So können die in der Kapelle stattfindenden Gottesdienste auch mit Orgelklängen begleitet werden. Das Instrument ist vielleicht nicht einfach zu spielen, passt aber von seiner Größe und seinem Klangvolumen sehr gut zur Kapelle.
Besonders bemerkenswert sind noch die Glasfenster der Kapelle. Die Hubertuskapelle hat sechs Glasfenster, 5 dieser Fenster wurden Ende des 19. Jahrhunderts angeschafft. Im Rechnungsbuch der Firma Derix finden sich unter der Überschrift Kirche zu Kailar für 1885 bis 1887 einige Eintragungen über die Bestellung und Bezahlung von Figurenfenstern[6], die Fenster wurden wahrscheinlich nicht alle zugleich angeschafft, denn auf einem Fenster findet sich die Inschrift 1898 W. Derix Goch u. Kevelaer. Franz Tiemann[7] schreibt dazu, dass das Fenster im Chorraum die erste Auftragsarbeit von Friedrich Stummel in Kevelaer war. Das Fenster war zunächst wie heute im Chorschluss eingebaut, später wurde es versetzt über die Eingangstüre. Nach der Renovierung 1968 kam es wieder in den Chorschluss. Die Fenster an den Seiten wurden wahrscheinlich nach und nach ergänzt. 1977 wurde das Fenster im Chorschluss restauriert. 1980 wurde ein Teil des Fensters hinten rechts bei einem Einbruch beschädigt. Die Einbrecher verschafften sich durch das Fenster den Zugang zur Kapelle. Dies wurde zum Anlass genommen, die vier seitlichen Fenster im Jahr 1982 zu restaurieren. Dazu finden wir folgenden Eintrag im Rechnungsbuch der Firma Derix: Ausbau und Restaurierung von 4 Fenstern nach Entwürfen des Malers Friedrich Stummel.[8] Im gleichen Jahr wurden diese Fenster sowie auch das Fenster im Chor von außen mit einer Schutzverglasung versehen.
Das Fenster über der Eingangstür ist neueren Datums, es wurde erst bei der Renovierung 1968 eingebaut. Es wurde ein Glasfenster eingesetzt, das von der Firma Derix gestiftet wurde. Das Glasfenster war nach dem 1. Weltkrieg von einem reichen Amerikaner in Auftrag gegeben, aber nie abgeholt worden. Es stellt den Erzengel Raffael, zusammen mit dem hl. Tobias dar und stand jahrelang auf dem Speicher, es passte auf wunderbare Weise genau über die Eingangstüre.[9] Auch dieses Fenster drohte durch die Windlast auf der Westseite der Kirche aus dem Rahmen zu fallen. Daher wurde es im Jahr 2008 neu in Blei gefasst und ebenfalls mit einer Schutzverglasung versehen.
[6] Rechnungsarchiv der Firma Derix in Kevelaer, Blattseite mit der Überschrift 1885 Kirche zu Kailar
[7] F. Tiemann, H. Tenhagen, P. Brouwers, Geschichtliches über die Hubertuskapelle zu Keylaer, Keylaer 1989, S. 9
[8] Rechnungsbuch der Firma Derix, S. 246
[9] Tiemann, Tenhagen, Brouwers, Anm. 20, S. 10