„Nicht neue Kriege sollen ausbrechen, sondern Friede!“
4. interreligiöse Friedenswallfahrt betont das Einende zwischen den Religionen

In der Welt, in der wir gerade leben, kommt den Weltreligionen eine ganz besondere Verantwortung für den Weltfrieden zu. Die drei abrahamitischen Religionen, das Judentum, das Christentum und der Islam, stellen mit etwas über vier Milliarden Menschen deutlich mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Welches Friedenspotential könnte darin liegen? Welche Chance für unsere Welt, wenn sich die Menschen aller Religionen zum Ziel setzten, Frieden zu stiften, statt Krieg zu schüren, Fanatisierung zu lassen und Versöhnung zu suchen, den Dialog mit- und untereinander anzustreben und nicht Überlegenheit praktizieren zu wollen. Oder sich aus diffuser oder konkreter Angst vor Überfremdung oder veränderten Situationen in der Religionslandschaft Deutschlands dem Populismus hinzugeben.
„Nicht neue Kriege sollen ausbrechen, sondern Friede!“, das war der Wunsch des verstorbenen Mitinitiators der ersten Interreligiösen Friedenswallfahrt in Kevelaer im Jahr 2015, Dr. Rupert Neudeck. Heute wird über Kriege und deren Entstehung und Folgen viel analysiert. Doch Analyse reicht nicht, und Frieden in unserer heutigen Welt fällt nicht vom Himmel. Frieden muss auf Erden aktiv gestiftet werden.

Einen Frieden herzustellen sei viel schwieriger, als Krieg zu führen, so sagte es der Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos, in dessen Land 50 Jahre Krieg herrschte und der im Jahre 2016 für den Friedensschluss im Land mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Statt befehlen muss man überzeugen, Opfer dafür gewinnen, Taten und Tätern zu verzeihen.
„Es braucht das Gebet um die Einsichtsfähigkeit, die Dialogbereitschaft, den Perspektivwechsel, das Verzeihen, die Haltungen und Einstellungen der Menschen zum Frieden, ihr Mitgefühl und ihr Wille, Ungerechtigkeit in unserer Welt mindern zu wollen, um Friedenspotentiale in wechselseitigem Respekt von Menschen, Ländern und Kontinenten unserer Erde wachsen zu lassen“, so der Rektor der Wallfahrt in Kevelaer, Domkapitular Gregor Kauling. Schon an seinem vorherigen Dienstort in Dinslaken hat er intensiv für den interreligiösen Dialog gearbeitet und bringt von dort viele Erfahrungen und Kontakte mit.

Für diesen Frieden, diesen Dialog, die Betonung des Einenden zwischen den Religionen, machen sich Menschen aller drei Religionsgruppen am Sonntag, 26. August, zum inzwischen vierten Mal auf den Weg in die Wallfahrtsstadt Kevelaer. Treffpunkt ist erneut um 17 Uhr der Marienpark am Ende des Kevelaerer Kreuzwegs. Singend und betend präsentieren die Juden, Christen und Muslime anschließend ihren Wunsch nach Frieden auf dem Kapellenplatz. Um Zeugnis zu geben von einer Mission, die alle drei Religionen eint: Frieden!
Der Familienchor der Basilikamusik Kevelaer sowie der Männergesangverein Kevelaer werden die diesjährige interreligiöse Wallfahrt musikalisch begleiten, weil es beiden Chören sehr wichtig ist, sich für diesen Frieden in unserer Zeit, in unserer Welt zu engagieren.
Martin Luther King, um dessen Jahrestag seiner historischen Rede „I have a dream“ die interreligiöse Wallfahrt in Kevelaer stattfindet, sagte auch: „Menschen, die Frieden lieben, müssen es lernen, sich effektiver zu organisieren als die, die Krieg lieben“.
Am Abend dieses Tages findet um 19 Uhr in der Kerzenkapelle unter dem Titel „Kirche trifft Synagoge“ ein Konzert für Orgel und Viola statt. Mit diesem musikalischen, interreligiösen Dialog nimmt die 4. interreligiöse Friedenswallfahrt mit einer weiteren, besonderen spirituellen Botschaft ihren Ausklang.