Der große Kevelaerer Kreuzweg

 
Einführung

„Ihr werdet meine Zeugen sein.“

Zeugen sein – Zeugnis geben
Das hört sich nach großen Taten an.
 
Doch Jesu sagte auch:
„Wer mein Jünger sein will,
nehme täglich sein Kreuz auf sich
und folge mir nach.“
 
Mit unserem Leben, in unserem Alltag
sollen wir IHM, Christus, nachfolgen.
 
Da werden wir vielleicht keine Helden sein
und nichts Außergewöhnliches vollbringen.
 
Niemand scheint es zu bemerken.
Es wird nicht bekannt,
und doch werden wir seine Zeugen sein.
 
Wenn wir heute den Kreuzweg gehen,
wollen wir auf Menschen schauen,
an deren Leben ablesbar war oder ist,
dass sie Christus nachfolgen
und Zeugnis ablegen für ihn.
Manchem mag dies nicht einmal bewusst sein.


 

Gebet

Herr, Jesus Christus,
du rufst uns auf den Weg.
Wir dürfen dir folgen,
doch brauchen wir dich.
Schenke uns deinen Heiligen Geist,
der Nachfolge erst möglich macht.
 
Heiliger Gott!
Heiliger starker Gott!
Heiliger, unsterblicher Gott!
 
Erbarme dich unser.

1. Station

Jesus wird zum Tod verurteilt.

V.: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
 
A.: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.



Schriftwort      
       
Ex 20,16 

Du sollst nicht falsch gegen
deinen Nächsten aussagen.“

 
Betrachtung

L.:       Der Hohe Rat kennt dieses Gebot.
Trotzdem bemüht er sich um falsche Zeugen,
die gegen Jesus aussagen.
„Was ist Wahrheit“ wird Pilatus zu ihm sagen
und ihn dennoch den Schächern überlassen.
 
Auch heute wird Menschen Unrecht getan
durch Lügen, falsche Anschuldigungen,
Vorurteile und Verleumdungen.
Soll das immer so weitergehen?
 
Es gibt Menschen, die unparteiisch eingreifen,
sich nicht beeindrucken lassen
von der Meinung und Vorurteile anderer,
die Sachverhalte richtig stellen
und nach der Wahrheit streben.
Sie geben Zeugnis von der Wahrheit.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
wir bitten dich für die Menschen,
die in einem Netz aus Lügen gefangen sind.
Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist,
der sie zur Wahrheit befreit.
Schenke auch jenen Kraft,
die sich für andere einsetzen.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
2. Station

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

V.: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A.: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Mt 16,24


L.:    
„Wer mein Jünger sein will,
der verleugne sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
 
Betrachtung

L.:       Gott kennt die Menschen und ihr Leid.
Trotzdem oder gerade deswegen
ist Jesus Mensch geworden.
Er nimmt sein Kreuz.
So solidarisiert er sich mit jenen,
die leiden und Lasten zu tragen haben.
 
Ich denke an eine alte Frau,
der ich die Kommunion nach Hause brachte.
Oft habe ich Anliegen der Gemeinde
ihrem Gebet anvertraut.
Eines Tages sagte sie:
„Wenn der Herr mich heute ruft, bin ich bereit.
Aber ER bestimmt den Zeitpunkt.“
 
Das Bild des Kreuzträgers erinnert mich
auch an eine Frau, die Krebs hatte.
Selbst dem Tode nahe,
war sie bereit, andere im Gebet zu tragen.
Sie hatte ihr Kreuz angenommen.
 
Gebet

V.:       Herr, Jesus Christus,
wir bringen dir die Menschen,
die schweres Leid tragen und alle,
die dem Tode nahe sind.
Sende deinen Heiligen Geist,
der die Schwachen aufrichtet
und Alte und Kranke stärkt.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.
 

 
3. Station

Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.

V.: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A.: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
  
Schriftwort            
Am 9,11

L.:       „An jenem Tag richte ich
die zerfallene Hütte Davids wieder auf
und bessere ihre Risse aus,
ich richte ihre Trümmer auf
und stelle alles wieder her
wie in den Tagen der Vorzeit.“
 
Betrachtung

L.:       Jesus ist gestürzt.
Die Last des Kreuzes ist zu schwer.
Allein kann er sich nicht wieder aufraffen.
Die Soldaten sind grob. Ihr Zugriff tut weh.
 
Auch heute kommen Menschen zu Fall.
Ich denke an das Erdbeben in Haiti.
Wie viele Menschen
sind ums Leben gekommen,
wurden verletzt,
haben ihr Hab und Gut verloren.
Aus eigener Kraft kommen sie
nicht wieder auf die Beine.
 
Erschrocken schaute die Welt
auf das ehemalige Inselparadies.
Diese und andere Naturkatastrophen
lösten eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. 
Gruppen, Gemeinden, Schulklassen,
Vereine engagierten sich,
organisierten spontane Aktionen, um zu helfen.
Ihre Hilfe dient dem Leben.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
wir bringen dir das Leid und den Kummer
der vielen Opfer von Naturkatastrophen.
Für sie erbeten wir den Heiligen Geist,
der tröstet und aufrichtet.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
4. Station

Jesus begegnet seiner Mutter.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst. 
           

Schriftwort            
Ps 34,12.14-15

L.:       „Kommt, ihr Kinder, hört mir zu!
Ich will euch in der
Furcht des Herrn unterweisen.
Bewahre deine Zunge vor Bösem
und deine Lippen vor falscher Rede!
Meide das Böse und tu das Gute;
suche Frieden und jage ihm nach!“
 
 
Betrachtung

L.:       Die Mutter steht am Weg.
Ihre Blicke streifen sich im Vorübergehen.
Sie hat den Sohn unterm Herzen getragen,
ihn unter Schmerzen geboren,
über ihn gewacht, als er ein Kind war.
Sie hat ihn erzogen und seinen Weg begleitet.
 
Ich denke an die vielen Eltern,
die sich das Wohl ihrer Familie, ihrer Kinder
zur Lebensaufgabe gemacht haben.
Unsere Zeit macht es ihnen nicht leicht.
Arbeitslosigkeit, Armut, Existenznot –
das trifft vor allem die Familien.
Wie viele stellen sich dieser Herausforderung?
 
Ich denke auch an Mütter und Väter,
die sich in Gemeinde und Katechese einbringen,
um ihre Kinder im Glauben zu unterweisen.
Auch in christlichen Gegenden ist es heute schon ein starkes Zeugnis, wenn eine Familie sonntags zum Gottesdienst geht.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
wir vertrauen dir die Familien an.
Wir bitten dich besonders für jene,
die ihren Glauben leben.
Schenke ihnen deinen Heiligen Geist,
der ihnen stets den längeren Atem gibt.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.
 

 
5. Station

Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 


Schriftwort            
Ps 112,5-6

L.:       „Wohl dem Mann,
der gütig und zum Helfen bereit ist,
der das Seine ordnet, wie es recht ist
Niemals gerät er ins Wanken;
ewig denkt man an den Gerechten.“
 
Betrachtung

L.:       Simon von Zyrene kommt vom Feld.
Er hat gearbeitet, um seine Familie zu ernähren.
Er hat gesät und weiß:
Um reiche Ernte einzubringen,
muss ein Korn sterben.
Vielleicht hat er, ohne es zu ahnen,
viel von Jesus verstanden.
 
Die Hospizarbeit erinnert mich an diesen Simon.
Menschen begleiten Sterbende,
versuchen ihnen den letzten Weg
leichter zu machen.
Sie sind da, wenn der Sterbende
gegen den Tod rebelliert,
reichen die Hand, wenn er aufgeben will,
lachen und weinen mit ihm.
Sie sitzen am Sterbebett und halten aus,
auch die eigene Ohnmacht.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
wir beten für die Menschen,
die wissen, dass ihr Lebensweg zu Ende geht.
Schenke ihnen deinen Heiligen Geist,
der ihnen beisteht und sie nicht verzagen lässt.
Schenke deinen Heiligen Geist jenen,
die Sterbende begleiten und so Zeugnis geben
von dir, dem lebendigen Gott.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
6. Station

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 

Schriftwort            
Mt 25,35

L.:       „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“
 
Betrachtung

L.:       Veronika nennen wir die Frau,
die Jesus das Schweißtuch reicht.
Er nimmt es dankbar an und hinterlässt
sein Angesicht im Tuch.
Veronika - vera icon – das wahre Gesicht Jesu
ist das der Notleidenden, der Ausgegrenzten,
der Unterdrückten und Ungeliebten.
 
Ich denke an ein Nachtcafé für Obdachlose,
in der Herz-Jesu Gemeinde in Berlin,
Prenzlauer Berg, das seit 1997 besteht.
Den Gästen wird ein warmes Abendessen
und ein Frühstück gereicht,
und sie haben ein Bett zum Schlafen.
 
„Es ist aber nicht genug, den Menschen ein Bett zu geben.“ erklärte damals die Verantwortliche.
„Es braucht auch das gemeinsame Essen, 
das Gespräch und den Respekt.“
Ich erinnere mich, dass ein Gast einmal sagte:
„Man merkt, dass hier ein anderer Geist weht
als in anderen Einrichtungen.“
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
dein Heiliger Geist ist spürbar in unserer Welt.
Schenke uns diese Kraft deines Geistes,
der die Menschen berührt und verwandelt.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
7. Station

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 

Schriftwort            
Ps 145,14

L.:       „Der Herr stützt alle, die fallen,
und richtet alle Gebeugten auf.“
 
 
Betrachtung

L.:       Wie schwer hat Jesus an der Last zu tragen.
Das Kreuz ist aus Spott gemacht, aus Eifersucht,
Hunger nach Macht und Ansehen, aus Lieblosigkeit, Angst, Trauer und Demütigung.
Wer kann das ertragen, ohne zu fallen.
 
Auch heute gibt es Menschen,
die durch erlittene Verluste am Boden liegen.
Sie tragen schwer an gescheiterten Beziehungen, den Sorgen um die Kinder, dem Druck in Schule, Familie und Arbeitswelt.
Was, wenn man nicht mithalten kann?
Wer greift da unter die Arme und hilft auf?
 
Mir fallen da die Nachbarschaften ein,
die tatsächlich ein Auge füreinander haben,
die die Not nebenan wahrnehmen und nach ihren Möglichkeiten helfen.
Das gemeinsame Beten für einen Verstorbenen,
ein gutes Gespräch, ein freundlicher Blick,
gegenseitige Hilfe – das tut gut – das baut auf.
Der gute Geist in einer Nachbarschaft
ist ein wertvolles Geschenk.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
sende deinen Heiligen Geist,
der uns zum Helfen bereit macht,
der Trauernde tröstet, Entmutigte aufrichtet.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
8. Station

Jesus begegnet den weinenden Frauen.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 

Schriftwort            
Lk 23,27-28
   
 L.:       „Es folgte eine große Menschenmenge,
darunter auch Frauen,
die um ihn klagten und weinten.
Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte:
Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder!“
 
 
Betrachtung

L.:       Frauen weinen, als sie Jesus sehen.
Er aber legt ihnen die Sorge für das eigene Leben und das ihrer Kinder ans Herz.
 
Ein Mann, der ein Herz für die Jugend hatte,
war Papst Johannes Paul II.
Er wusste, wie gefährdet Jugendliche sind,
aber auch, dass sie sich begeistern können.
Mit den Weltjugendtagen zeigte er ihnen in besonderer Weise seine Sorge und seine Liebe.
Die Begegnung mit anderen, die gemeinsame Feier des Glaubens, der Austausch und die Begeisterung macht vielen jungen Menschen Mut, sich zu ihrem Glauben zu bekennen.
Das Motto des Weltjugendtages 2008 in Sydney lautete: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, und ihr werdet meine Zeugen sein.“
Viele fragen sich, was von diesen großen Ereignissen geblieben ist?
Nichts, was für die Medien von Interesse wäre,
aber viel im Leben der einzelnen
und oft auch in den Gemeinden.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott
Sende deinen Heiligen Geist den Jugendlichen,
schenke ihnen Mut und Hoffnung in einer Zeit,
die ihnen so wenige Perspektiven bietet.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
9. Station

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Ps 41,6.9

L.:       „Meine Feinde reden böse über mich:
Wann stirbt er endlich
und wann vergeht sein Name?
Verderben hat sich über ihn ergossen;
wer einmal daliegt, steht nicht mehr auf.“
 
 
 
Betrachtung
L.:       Wieder ist Jesus gestürzt.
Warum soll er aufstehen?
Das macht doch alles keinen Sinn.
Er ist gescheitert.
Das ist doch wohl offensichtlich.
 
Wo sind die hoffnungslosen Fälle unserer Zeit?
Schulversager, Empfänger von Hartz IV,
Verbrecher, Prostituierte, Drogenabhängige.
 
Besteht für sie keine Hoffnung mehr?
Wenn wir das meinen, wie steht es dann mit unserem Glauben an das Wirken des Heiligen Geistes?
 
„Gut Neuhof“ bei Berlin ist eine Einrichtung der Franziskaner für Drogenabhängige, die sich nicht mehr mit Rauschgift belügen wollen.
Die Entziehungskur ist hart – kalter Entzug.
Das heißt, sie erhalten keine Medikamente, die den Entzug leichter machen sollen.
Der Ersatz heißt: dem Leben Sinn geben.
Sinn durch Arbeit, Gemeinschaft und Gebet,
durch eine lebendige Beziehung zu Gott.
 
Gebet
V.:       Herr, unser Gott,
dein Heiliger Geist schenke Hoffnung den Hoffnungslosen und Mut den Abgeschriebenen.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
10. Station

Jesus wird seiner Kleider beraubt.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Psalm 22,7.18b-19


L.:       „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
der Leute Spott, vom Volk verachtet.
Sie gaffen und weiden sich an mir.
Sie verteilen unter sich meine Kleider
und werfen das Los um mein Gewand.“
 
 
 
Betrachtung

L.:       Jesus hat Menschen aus dem Schmutz emporgehoben,
Sünder, die außerhalb der Gesellschaft standen,
Frauen und Kinder, die kein Ansehen hatten,
Kranke, Behinderte, Aussätzige, Bettler,
die sich ihrem Schicksal zu ergeben hatten.
 
Auf Gólgota wird er zum Gespött der Leute.
Die Schaulustigen haben was zu gaffen.
Nackt, würdelos steht er da.
 
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Das ist Gesetz. Aber wie verhält es sich damit?
 
Demenzkranke, alte und behinderte Menschen -
welches Ansehen haben sie in unserer leistungsorientierten Gesellschaft?
Für die Gesellschaft nutzlos, kostspielig –
 
Ich denke an die Menschen, die in pflegerischen Berufen tätig sind in Krankenhäusern, Wohnheimen und ambulanten Diensten.
Für sie ist der Mensch keine Nummer,
keine Sache, sondern ein Wesen mit Würde.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
schenke uns deinen Heiligen Geist der Weisheit,
der uns sagt: Wir sind Abbild Gottes.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
11. Station

Jesus wird an das Kreuz angenagelt.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Jes 53,10a.11


L.:       „Der Herr fand Gefallen an
seinem zerschlagenen Knecht.
Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.
Nachdem er so vieles ertrug,
erblickt er das Licht.
Er sättigt sich an Erkenntnis.
Mein Knecht, der gerechte,
macht die vielen gerecht;
er lädt ihre Schuld auf sich.“
 
Betrachtung
L.:       Die Schächer verstehen ihr Handwerk.
Schuld und Sünde der Menschen
haben Jesus ans Kreuz genagelt.
Angeheftet - auf das Holz gestreckt -
keine Chance zu entkommen.
 
Sünde und Schuldgefühle machen auch heute Menschen  unfrei und handlungsunfähig.
Viele sind in ihrer Seele verletzt,
psychisch krank, sehen keinen Ausweg.
Haben auch sie wirklich keine Chance?
 
Christus hat die Sünde ans Kreuz gebracht
und so Himmel und Erde versöhnt.
Er lädt uns ein zur Versöhnung.
In jedem Gottesdienst sagt er uns Gottes Liebe und seine Hilfe zu.
In der Beichte dürfen wir unsere Sorgen,
Sünden und Schuld bei ihm abzuladen.
Gott spricht uns durch den Priester die Vergebung zu. Er macht uns frei und gerecht, macht einen Neuanfang möglich.
 
Gebet
V.:       Herr, unser Gott,
wir vertrauen dir unsere Kirche an. Wir beten für den Papst, die Bischöfe, Priester und Diakone, die die Sakramente verwalten.
Schenke ihnen die Gaben des Heiligen Geistes.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
12. Station

Jesus stirbt am Kreuz.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Lk 23, 33-34

L.:       „Sie kamen zur Schädelhöhe;
dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher,
den einen rechts von ihm, den andern links.
Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen,
denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Betrachtung

L.:       Kaiser, Könige, Fürsten und Befehlshaber
hielten sich für groß und mächtig.
Doch Jesus zeigt gerade in seinem Sterben
mehr Größe als jeder von ihnen.
 
Auch heute gibt es solche Menschen,
die die Größe besitzen, ihren Peinigern zu
verzeihen und für sie zu beten.
 
Am 30. April 1997 erreichte der Bürgerkrieg in Burundi ein Seminar in dem Ort Buta.
In den frühen Morgenstunden drangen bewaffnete Männer in die Schlafsäle der Jugendlichen ein und forderten sie auf, sich getrennt nach Hutu und Tutsi aufzustellen.
Einer der Überlebenden berichtete:
„Wir hatten uns unter unsere Betten verkrochen. Ein Freund lag neben mir. Er betete: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Dann bewegte er sich nicht mehr, und so ging er von uns. Gott hatte uns vor dem Geist des Hasses und der Spaltung bewahrt.“
40 Jugendliche des Seminars kamen ums Leben.
 
Gebet
V.:       Herr, unser Gott,
wir danken dir für dieses Glaubenszeugnis.
Schenke uns allen die Kraft des Heiligen Geistes,
der weder Hass noch Vergeltung Raum gibt.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
13. Station

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Sir 38,16


L.:       „Mein Sohn, um den Toten lass Tränen fließen,
trauere und stimm das Klagelied an!
Bestatte seinen Leib, wie es ihm zusteht,
verbirg dich nicht bei seinem Hinscheiden!“

Betrachtung

L.:       Jesus ist tot. Einige Freunde nehmen seinen Leichnam behutsam vom Kreuz ab.
Für ihn können sie nichts weiter tun.
Ihr Mitgefühl gehört nun der Mutter Jesu.
           
Der Tod kommt aber manchmal so unverhofft,
dass die Angehörigen nicht vorbereitet sind.
Eine Trauerkultur haben wir nicht mehr, weil das Sterben in Krankenhäuser und Heime verlagert wird. Wie viele stehen hilflos da, weil sie weder mit dem Tod noch mit dem Toten umgehen können. Wir müssen es neu lernen, weil der Abschied so wichtig ist und Zeit braucht.
 
Doch wer steht den Trauernden bei?
Verwandte – Freunde – Nachbarn – Seelsorger.
Wenn der Trauernde keine Worte hat,
können sie die Stimme sein, die die Leere füllt.
Wenn er keine Kraft hat, kann ihre Hand stark sein und Halt geben. Wenn er nicht loslassen kann, können sie helfen, Abschied zu nehmen.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
wir vertrauen dir die Menschen an,
die am Totenbett sitzen und nicht wissen, wie sie ohne den Verstorbenen leben sollen.
Schenke ihnen Trost und Beistand durch deinen Heiligen Geist.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.

 
 
14. Station

Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort            
Psalm 88,4-5

L.:       Meine Seele ist gesättigt mit Leid,
mein Leben ist dem Totenreich nahe.
Schon zähle ich zu denen,
die hinabsinken ins Grab,
bin wie ein Mann,
dem alle Kraft genommen ist.
  
 
Betrachtung

L.:       Die Freunde Jesu sorgen für die Bestattung.
Ihre Blicke sind auf ihn gerichtet.
Jeder erinnert sich noch einmal an gemeinsam verbrachte Zeiten, an besondere Erlebnisse.
Warum hat er sterben müssen? Ist sein Tod sinnlos?
 
Ich denke an einen koptischen Priester und eine evangelische Frau in Ägypten, beide Mitglieder einer christlichen Gemeinschaft. Eigentlich sollte es ein fröhlicher Ausflug ans Meer sein. Als ein Kind zu ertrinken drohte, sprangen sie ins Wasser. Sie retteten das Kind und wurden selbst von der Strömung ins Meer gezogen und ertranken.
 
Warum mussten sie sterben? Konnten nicht auch sie gerettet werden? Welchen Sinn macht das?
Die Rettung des Kindes ist ein Zeugnis für die Liebe zum Leben. Die Trauerfeier, in der Mitglieder der verschiedenen Kirchen gemeinsam beteten, war ein Zeichen der Hoffnung auf dem Weg zur Einheit der Christen.
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
wir vertrauen dir die vielen Menschen an, deren Tod uns oft so sinnlos erscheint.
Schenke deinen Heiligen Geist, der uns vertrauen lässt, dass du einen größeren Plan hast.
Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.  – Amen.


 
 
15. Station

Der Herr ist auferstanden!

V.:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus,
            und preisen dich,
 
A.:       denn durch dein heiliges Kreuz
            hast du die Welt erlöst.
 
 
Schriftwort
Apg 1,5.8


L.:       Als Jesus von den Toten auferstanden war,
sagte er zu seinen Jüngern:
Johannes hat mit Wasser getauft,
ihr aber werdet schon in wenigen Tagen
mit dem Heiligen Geist getauft.
Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes
empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien
und bis an die Grenzen der Erde.
 
 
Gebet

V.:       Herr, unser Gott,
du sagst uns die Kraft des Heiligen Geistes zu.
Wir brauchen den Geist der Weisheit, den Geist der Einsicht und des Rates, den Geist der Stärke und der Erkenntnis, den  Geist der Gottesfurcht und der Frömmigkeit.
 
Gott, wir brauchen deinen Heiligen Geist und deine Gnade. Nur so können wir Zeugen deiner Gegenwart sein in unserer Welt, in Kirche, Gemeinde und Gesellschaft, in unserem Leben, in den großen und kleinen Anforderungen unseres Alltags.
 
Dazu segne uns Gott:
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.