Der große Kevelaerer Kreuzweg

Mit Maria – Kreuzweg 2017

Einleitung 

Ja sagen ist manchmal ganz leicht.

Aber dabei zu bleiben, das braucht oft Geduld,

Vertrauen und Kraft.

Maria hat zu ihrem „Ja“, das sie Gott gegeben hat, gestanden.

Immer wieder stand dieses kleine Wort auf dem Prüfstand, aber sie bleib treu.

Die schwerste Prüfung war sicher der Kreuzweg,

der alles in Frage stellte, was sie bisher geglaubt hatte.

Sie blieb dabei: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Mit Maria gehen wir den Kreuzweg.

Mit ihr schauen wir das Leiden Christi.

Wir lassen Fragen zu, wo uns heute Leid begegnet,

wie wir damit umgehen, wo wir solches verschuldet haben und was wir tun können, um Leid zu lindern.

1. Station Jesus wird zum Tod verurteilt

V :      Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A :      denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext        Lk 2,34-35

Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.

Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

Betrachtung

Jesus steht vor Gericht. Seine Ankläger sind ausgerechnet die geistlichen Führer des Volkes.

Mit falschen Anschuldigungen und Zeugenaussagen erwirken sie das Todesurteil für Jesus.

Jesus brachte ihnen, was sie aus den Schriften verkündeten. Was sie selbst aber für Gedanken haben und was sie im Herzen tragen, wird deutlich, als sie ihn ablehnen. Jesus wird ein Opfer ihrer Intrigen, ihrer Eifersucht und ihres Egoismus`.

Unerträglich, ja ein Schwertstich für seine Mutter ist dieses ungerechte Urteil. Maria hört es, aber ihre Klage wird von der aufgebrachten Menge übertönt, die laut fordert: Kreuzige ihn!

Auch heute werden Menschen vorverurteilt, stehen vor Gericht, werden inhaftiert, weil sie anderen unbequem sind. In manchen Ländern sind Gefängnisse voll von Menschen, die nichts weiter taten als ihre Meinung zu vertreten und Unrecht und Ungerechtigkeiten zu benennen.

Gebet

Herr Jesus Christus,

als du verhaftet und Verurteilt wurdest,

hast du dich mit allen Menschen solidarisiert,

die ungerecht behandelt werden.

Stärke und beschütze sie.

Maria, du Mutter Jesu, stell dich an die Seite der Familien, die in banger Sorge um ihre Angehörigen sind.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

2. Station – Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Ps 86,11

Weise mir, Herr, deinen Weg;

ich will ihn gehen in Treue zu dir.

Richte mein Herz darauf hin,

allein deinen Namen zu fürchten!

Betrachtung

Kann das Gottes Weg sein, der Kreuzweg?

„Ich will ihn gehen in Treue zu dir“

Jesus nimmt das Kreuz, denn es scheint der einzige Weg zu sein, den Menschen zu zeigen, dass Gottes Liebe auch zu diesem Opfer bereit ist.

Maria sieht Jesus, sein Kreuz tragen und fragt, wie sicher oft in ihrem Leben: Gott, ist das dein Wille?

Maria sieht Jesus auf dem Weg, an dessen Ende ein grausamer Tod steht. Sie sieht es und leidet still.

Menschen stehen hilflos da, wenn ein Angehöriger, ein Freund, ein lieber Mensch die Diagnose enthält:

Unheilbar krank – nur noch wenige Monate oder Wochen zu leben. „Gott, ist das dein Wille?“

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast dein Kreuz und Leiden angenommen

und bist den letzten Weg gegangen.

Steh allen bei, die wissen, dass sie sterben werden.

Maria, sei bei denen, die wie du ohnmächtig dem Leiden ihrer Lieben gegenüberstehen und es aushalten müssen.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

3. Station – Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Koh 4,9a.10

Zwei sind besser als einer allein.

Denn wenn sie hinfallen, richtet einer den anderen auf. Doch wehe dem, der allein ist, wenn er hinfällt, ohne dass einer bei ihm ist, der ihn aufrichtet.

Betrachtung

Jesus fällt, denn die Last ist schwer.

Er ist erschöpft von den stundenlangen Verhören, den Beschimpfungen, dem Spott, der Folter.

Das drückt ihn zu Boden, und kein Freund ist da, der ihm aufhilft, an dem er sich aufrichten könnte.

Vielleicht sinkt auch Maria zu Boden beim Anblick Jesu.

Das Leid des Kindes, egal wie alt es ist, geht der Mutter zu Herzen und bedrückt sie.

Wie viele Menschen liegen am Boden.

Es sind Schicksalsschläge wie der Tod eines geliebten Menschen, Krankheiten, zerbrochene Beziehungen, verschmähte Liebe, die ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Manchmal hilft ein tröstendes Wort, manchmal hilft nur das schweigende Dasein.

Gebet

Herr Jesus Christus,

du warst menschlich schwach, als du zusammengebrochen bist. Doch du wusstest, dass du diesen Weg für uns alle gehen wolltest.

Richte die Menschen auf, die keine Kraft haben für den nächsten Schritt.

Maria, halte mit ihnen aus, was oft so unerträglich ist.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

4. Station – Jesus begegnet seiner Mutter

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext         Lk 1,30.38

Der Engel zu Maria: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Betrachtung

Gott zeigt sich gnädig gegen Maria.

Kann Maria das glauben in diesem Moment, als sie ihrem leidenden Sohn gegenübersteht?

Was für ein Wunder und was für eine Freude war es, als ihr damals der Engel verkündete, dass sie Mutter werden sollte. Aber jetzt? Kein Wunder, sondern menschliches Drama. Keine Freude mehr, nur Leid.

Und so geht es Eltern auch heute.

Sie sehen, wie ihr Kind ins Verderben läuft und sind machtlos. Manche Kinder ziehen sich zurück und lassen die Familie nicht mehr teilhaben an ihrem Leben.

Sie gehen eigene Wege, manchmal Abwege mit Drogen, Kriminalität und Prostitution.

Aus Freude über ihre Kinder wird tiefer Kummer für die Eltern.

Gebet

Herr Jesus Christus,

du sahst die Liebe deiner Mutter und ihr Mitleid.

Tröste die Familien, in denen so wenig Liebe gelebt wird.

Maria, du hattest Mitleid mit Jesus. Hilf den Eltern, die keine Liebe ihrer Kinder erfahren, dass sie ihre Kinder niemals aufgeben.

Heilige Maria, bitte für sie.

5. Station – Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext        Ps 6,5

Herr, wende dich mir zu und errette mich,

in deiner Huld bring mir Hilfe!

Betrachtung

Jesus erfährt Hilfe von Simon von Zyrene, einem Fremden, der quasi als Gastarbeiter in Jerusalem lebte.

Er greift Jesus unter die Arme, hilft ihm auf die Beine und das Kreuz tragen. Er redet nicht, er tut, was gerade notwendig zu tun ist.

Nach der Begegnung mit Jesus hatte Maria sich gewiss noch hilfloser gefühlt. Zu sehen, dass sein Schicksal doch noch einen anderen berührt, ist ein kleiner, wenn auch schwacher Trost.

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“, das behauptet ein Sprichwort. Es hinkt, denn Teilen halbiert den Kummer nicht. Und trotzdem tut es gut, wenn man den tiefsitzenden Schmerz aussprechen oder auch hinausschreien kann.

Selbsthilfegruppen bieten gerade das an. Menschen teilen ihr Leid mit anderen, die selbst leidvolle Erfahrungen gemacht haben. Da ist die Offenheit, auszusprechen, was man bei anderen vielleicht nicht sagen mag.

Gebet

Herr Jesus Christus,

Simon hat dein Kreuz angenommen und getragen – ohne Worte. Lass alle Menschen deine Liebe spüren, die einfach da sind für andere, ihnen zuhören oder auch tatkräftig Hilfe leisten.

Maria, sei den Helfern nahe und sei Mut Macherin für alle, die Hilfe suchen.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

6. Station – Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Mt 5,37

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen

Betrachtung

Veronika sieht Jesus mit Blut verschmiertem Gesicht.

Dieser Anblick ist für sie unerträglich.

Vielleicht gehört sie zu den Frauen, die Jesus gefolgt waren – wir wissen es nicht.

Sie ist fest entschlossen, ihm wenigstens das Gesicht abzuwischen. Es interessiert sie nicht, was andere denken, sie steht zu ihm und bereit, das zu zeigen, auch gegen die Waffen der Soldaten und die Buh-Rufe der Menge. Ein kleiner Trost auch für Maria: Jesus hat noch Freunde.

Aber wie viele Menschen gibt es, die das nicht können, die einfach mit dem Strom schwimmen, weil das, obwohl nicht richtig, doch bequemer ist.

Und ihr Gewissen? Wenn sie den Freund im Stich lassen, wenn sie nicht Farbe bekennen, wie werden sie damit fertig? Mit dem „Jein“ oder „Ja, aber“ schaden sie dem anderen und sich selbst.

Gebet

Herr Jesus Christus,

Veronika war eine mutige Frau, die ihren Weg mit dir gegangen ist. Ermutige alle, die sich in ihrem Handeln leiten lassen von Angst und Zweifeln, dass sie es wagen, ihren Weg geradlinig zu gehen.

Maria, stärke alle Menschen, die wir du zu ihren Entscheidungen stehen.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

7. Station – Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Ps 17,11

Die Frevler lauern mir auf, jetzt kreisen sie mich ein;

sie trachten danach, mich zu Boden zu strecken.

Betrachtung

Jesus liegt am Boden. Er ist zusammengebrochen. Wird er wieder aufstehen oder ist das alles zu viel für ihn. Seine Gegner haben es geschafft, Menschen gegen ihn aufzubringen, die ihm einst vertraut und ihm zugejubelt haben. Er wollte sie von der kleinkarierten Auslegung des Gesetzes befreien, doch der enge Rahmen gibt ihnen Sicherheit.

Was mag Maria denken, als sie Jesus am Boden sieht: Bleib liegen. Gib auf. Erspar dir den Rest des Weges und den grausamen Tod am Kreuz.

Viele Menschen straucheln auch heute und fallen.

Es gibt viele Gründe dafür, und die Schuld liegt nicht immer bei denen, die am Boden liegen.

Gebet

Herr Jesus Christus,

vielleicht hast du wirklich einen Moment daran gedacht,

einfach liegenzubleiben, und du bist doch wieder aufgestanden. Richte alle Menschen auf, die keine Perspektive für ihr Leben sehen.

Maria, nimm die an die Hand, die den Halt verloren haben. Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

8. Station – Jesus begegnet den weinenden Frauen

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext        Mk 6,2-3

Am Sabbat lehrte Jesus in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen!

Betrachtung

Sie haben wirkliche Wunder gesehen: Blinde, die sehen konnten, Aussätzige, die gesund wurden, Lahme, die ihre Tragbahre unter den Arm klemmten und nach Hause gingen. Und Jesus tat noch viel mehr. Er sprach mit Frauen in aller Öffentlichkeit und segnete die Kinder. Jeder wurde von ihm ernstgenommen. Und nun? Jetzt stehen sie hilflos vor ihm und können nur klagen und weinen. Und wieder ist es Jesus, der sie aufrichtet und tröstet.

Maria ist gerührt von dieser Begegnung und gleichzeitig erschrocken. Wie kann er, der dem Tod geweihte, noch die anderen im Blick haben und wichtig nehmen.

Wie viele Menschen hungern auf unserer Erde. Wir sehen Bilder von ausgemergelten Körpern, wir sind erschrocken, angewidert, und schalten auf einen anderen Sender. Was könnten wir schon tun? Dafür müssen die Mächtigen in der Welt sorgen. Und mit diesen Gedanken machen wir uns selbst ohnmächtig.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast so sehr gelitten und doch noch den Blick für das Elend der anderen gehabt. Hilf uns, dass wir das Leid der anderen nicht übersehen und nach unseren Möglichkeiten helfen.

Maria, nimm dich besonders der notleidenden und unterdrückten Frauen und Kinder an.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext        Ps 64,2a.3a.6

Höre, o Gott, mein lautes Klagen,

verbirg mich vor der Schar der Bösen.

Sie sind fest entschlossen zu bösem Tun.

Sie planen, Fallen zu stellen, und sagen:

„Wer sieht uns schon?“

Betrachtung

Jesus fällt und es sieht nicht so aus, als würde er wieder aufstehen. Aber der Weg ist noch nicht zu Ende. Er muss weiter und wird emporgerissen. Da hilft es nicht, vor Schmerz zu schreien. Es interessiert niemanden.

Nur Maria sieht es und schreit unhörbar: „Hört doch endlich auf!“

Durch harte Strafen, durch Unterdrückung und Verfolgung zwingen manche Machthaber ihr Volk in die Knie.

Manchmal gelingt es den Menschen nicht, wieder aufzustehen. Sie können nicht mehr und ergeben sich ihrem Schicksal. Wenn es keine politischen und wirtschaftlichen Vorteile bringt, interessiert sich die Welt nicht für die Geknechteten.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast die Grausamkeit und Gleichgültigkeit von Menschen schmerzlich erfahren.

Lass die Vergessenen in der Welt deine Gegenwart spüren und stärke sie in ihrer großen Verzweiflung.

Maria, schrei mit den Ungehörten und steh ihnen zur Seite.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

10. Station – Jesus wird seiner Kleider beraubt

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Koh 5,14

Wie er aus dem Leib seiner Mutter herausgekommen ist – nackt, wie er kam, muss er wieder gehen. Von seinem Besitz darf er überhaupt nichts forttragen, nichts, das er als ihm gehörig mitnehmen könnte.

Betrachtung

Kleidung ist ein Schutz, nicht nur vor Kälte. Sie schützt vor gierigen Blicken. Die Henker interessiert kein Schamgefühl, sie selbst kennen es wohl nicht. Schamlos ziehen sie Jesus aus, um ihn den Schaulustigen zur Schau zu stellen.

Was für ein Schmerz, welche Demütigung erfährt Jesus in diesem Moment.

Maria würde ihn gerne in ihren Umhang hüllen, um ihn ihren Blicken zu entziehen.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen. Das gilt auch heute noch. Da werden Menschen bloßgestellt, ihre Fehler und Mängel ausgebreitet, damit jeder sie sieht. Keiner fragt, wie es dem Betroffenen geht und jeder weiß noch einen draufzusetzen. „Das war doch klar.“ „Das hab ich doch immer schon gewusst.“ Bloßgestellt, fertiggemacht verlieren Menschen jeden Halt und Rückhalt.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du musstest auch die Schmach der Bloßstellung ertragen. Bewahre uns davor, über andere herzuziehen, zu lästern und sie schlechtzureden.

Maria, gewähre deinen Schutz und Beistand allen, die gemobbt und alleingelassen werden.

Heilige Maria, bitte für sie.

11. Station – Jesus wird an das Kreuz angenagelt

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Joh 6,40

In jener Zeit sprach Jesus: Es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag.

Betrachtung

Unter lautem Hammerschlag wird Jesus ans Kreuz geschlagen. Jetzt kann er doch wohl nichts mehr tun. Zwei andere werden mit ihm zusammen gekreuzigt. Der eine verhöhnt Jesus, der andere sieht den Tod als gerechte Strafe für die Taten, die er begangen hat. Aber er bezeugt Jesus als den Sohn Gottes, indem er ihn bittet: „Denk an mich.“ „Alle, die an den Sohn glauben, sollen das ewige Leben haben.“ Das hatte Jesus seinen Jüngern gesagt. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Kann man das alles so glauben? Maria bewahrt es in ihrem Herzen wie so viele seiner Worte, die sie noch nicht versteht.

Verzeihen, das fällt uns oft schwer. Aber wie wichtig ist es, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Um Verzeihung bitten, ist ebenso schwer. Und wir wundern uns über Magengeschwüre und tiefe Traurigkeit, über Depressionen, die Menschen fesseln und sogar handlungsunfähig machen.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

du hast dem Mann verziehen, der neben dir gekreuzigt wurde und seine Taten bekannte. Mach uns bereit, unsere Schuld einzugestehen und um Verzeihung zu bitten. Hilf uns auch, anderen zu verzeihen.

Maria, richte unseren Blick auf Jesus, der dessen Erbarmen kein Ende kennt.

Heilige Maria, bitte für uns.

12. Station – Jesus stirbt am Kreuz

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext        Lk 23,45-46

Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.

Betrachtung

Was für ein Vertrauen in den Vater beweist Jesus noch mit dem letzten Atemzug: „In deine Hände lege ich meinen Geist.“ Er weiß, dass der Zeitpunkt gekommen ist, dass er nun sterben wird. Sein ganzes Leben wäre ohne Sinn, seine Reden wären leeres Geplänkel, seine Wunder nur wundersame Taten, hätte Jesus nicht dieses tiefe Vertrauen in Gott gehabt. Alles hatte er aus Gottes Hand genommen und in seine Hand gegeben.

Maria sieht Jesus so sterben. Auch sie kann nur noch darauf vertrauen, dass er in Gottes Hand ist.

 

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

stell dich an die Seite der Sterbenden und schenke ihnen das Vertrauen, dass Gottes Hand sie ergreift, wenn sie ihr Leben loslassen.

Maria, du hast voll Traurigkeit das Sterben Jesu mit angesehen. Sei denen nahe, die an den Sterbebetten nichts mehr können als still zu beten oder zu weinen.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

13. Station – Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 Schrifttext          Joh 19,25

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas,

und Maria von Magdala.

Betrachtung

Die Frauen stehen zusammen, sie halten zusammen, halten einander und sehen, wie Jesus vom Kreuz abgenommen wird. Eine löst sich aus der Gruppe, Maria, die Mutter Jesu. Sie nimmt ihren Sohn in den Arm, hüllt ihn in ihren Umhang, so wie sie es vor Stunden schon gerne getan hätte. Sie konnte ihn nicht vor all dem Leid und dem Schmerz bewahren, aber jetzt spricht sie mit ihm, sagt ihm, was ihr auf dem Herzen liegt, sagt ihm ihre Liebe zu. Und sie vergisst für einen Moment die Welt um sie herum.

So viele Menschen harren bei einem Sterbenden aus, und das kostet so viel Kraft. Der Tod ist manchmal eine echte Erlösung für beide Seiten. Da fällt eine Last ab, auch wenn man es kaum wagt, das zu sagen. Und plötzlich ist alles unwichtig.

 

Gebet

Herr Jesus Christus,

endlich wurde dein Körper vom Kreuz gelöst.

Sei denen nahe, die der Tod eines lieben Menschen unvorbereitet trifft und sie völlig aus der Bahn wirft.

Maria, tröste alle, die entkräftet und müde vom Totenbett eines geliebten Menschen weggehen.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

14. Station – Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext          Lk 3,21-22

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,

und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Betrachtung

Hat Gott daran Gefallen? Jesus ist tot und begraben.

Die Freunde gehen resigniert nach Hause. Das war`s dann wohl.

Und Maria – sie geht mit ihnen fort. Das Grab hat keine Hoffnung für sie, es ist eher der Ort des Vergessens.

Es gibt keine Tränen mehr, keine Kraft, kein Wort. Die Beerdigung ist für viele der schlimmste Moment. Jetzt ist es endgültig, der Tod hat gesiegt. Man nimmt Abschied und geht nach Hause, zurück in den Alltag.

Gebet

Herr Jesus Christus,

dein Grab machte die Hoffnung der Jünger und jeden Plan zunichte. Sie sahen keine Zukunft mehr, wie du sie ihnen verheißen hast.

Bleibe bei allen, die keinen Glauben an die Auferstehung haben.

Maria, schweige mit jenen, die in aller Stille trauern, klage mit allen, die sich mit dem Tod nicht abfinden können und bete mit jenen, die Gott suchen.

Heilige Maria, bitte für sie. Amen.

15. Station – Der Herr ist auferstanden

V:       Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

A:       denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schrifttext           Apg 1,14

Die Jünger verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.

Betrachtung

Jesus ist auferstanden. Unglaublich und wunderbar zugleich. Die Jünger sind außer sich vor Freude und können es nicht fassen. Ja, er hatte es ihnen gesagt, dass das alles geschehen wird, aber wer könnte das begreifen.

Unser menschliches Denken ist für die Auferstehung nicht ausgelegt. Wir brauchen Beweise. Jesus kommt durch verschlossene Türen zu ihnen und zeigt ihnen die Wundmale. Die Begegnung mit dem Auferstandenen verändert ihr Leben noch einmal ganz drastisch. Alles, was sie mit ihm gelebt und erlebt haben und alles, was auf sie zukommt, macht Sinn. Jetzt begreifen sie. Sie bleiben zusammen und bestärken sich gegenseitig und mit ihnen ist Maria.

Wohl den Menschen, die auf Gott ihre Hoffnung setzen und sich in ihm festmachen. Sie glauben, dass es ein Wiedersehen gibt in seinem Reich. Der Tod verliert seinen Schrecken und seine Macht.

Gebet

Herr Jesus Christus,

wir danken dir für deine Auferstehung, durch die du auch uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet hast.

Nimm unsere Verstorbenen auf in dein Reich, in dem es keine Schmerzen, keine Sorgen und keinen Unfrieden gibt.

Maria, du geduldige Frau, du Beterin an unserer Seite, stärke unser Vertrauen in Gottes Treue.

Heilige Maria, bitte für uns.